Abenteuer Teneriffa Teil II

Vorneweg, die Köfferchen waren erfolgreich. Und bis auf die bittere Erkenntnis, dass Farbstifte definitiv die besseren Spielzeuge für Kleinkinder sind als Filzstifte, verlief unsere erste Flugreise mit drei Hexlein ohne Zwischenfälle.

 

Die Reise verlief überraschend reibungslos und wir blieben vor sämtlichen im Vornherein 1000fach durchgespielten Mini- und Maxikatastrophen (verlorenes Kind, schreiendes Kind, nasses Kind, erbrechendes Kind, verlorenes Gepäck, vergessene (und sehr wichtige) Gegenstände,...) verschont. Und blenden wir gewisse Tatsachen und Geschehnisse einfach einmal aus und konzentrieren und auf die Perspektive der drei Hexlein, verläuft auch der bisherige Urlaub wunderbar. Wir Eltern haben in diesen drei ersten Ferientagen jedoch bereits diverse Erkenntnisse gewonnen, welche uns ohne diese Urlaubsreise vielleicht verborgen geblieben wären...

 

Erheben wir uns für den letzten Rest Freiheit! (Oder der Kampf um den Balkon)

Wer mit Kleinkindern reist (und vielleicht schon einmal das Experiment "Kind + Eltern + ein Zimmer ohne Fluchtmöglichkeit" gewagt oder aus lauter Unwissenheit geplant hat) weiss, zwei Zimmer und/oder ein Balkon sind unverzichtbar. Wir Eltern der Hexlein - Raucher, Weintrinker und Geniesser zweisamer Gespräche - hatten folglich mindestens 100fach mitgeteilt, dass uns ein Balkon weit wichtiger als die Grösse des Zimmers, die Lage des Zimmers oder die Ausstattung des Badezimmers sei. Das Hotel war dennoch der Meinung, sie könnten unseren grössten Alptraum wahr machen und uns unseres letzten Stücks Freiheit berauben. Das präsentierte Zimmer verfügte nämlich NICHT über den gebuchten Balkon! Sofort brach bei der Mama ein leichter Anflug von Panik, beim Papa die Kampfeslust aus. Resultat dreier Stunden diskutieren, telefonieren und drohen: Wir ziehen an Tag drei unseres Urlaubs heute wohl zum zweiten Mal um und haben uns unseren verzweifelten Rest Freiheit im Elterndasein zurückerobert. 

 

Urlaubsparadies aus unterschiedlichen Perspektiven

Die Hexlein wähnen sich im Paradies: Wasser, einen riesigen Sandkasten, nackte Füße und Sommerkleidchen, mindestens einmal täglich Pommes, morgens und abends eine riesige Auswahl an Essen und die Erlaubnis so viele Spiegeleier und Würstchen zu essen, wie in den Bäuchlein Platz finden,... Uns hingegen wurde ein weiteres Mal klar, dass unser Leben als Eltern dreier Hexlein nicht mehr annähernd dem ursprünglichen gleicht. Wir fanden uns in einer touristengeplagten Gegend wieder, Werbung für Ausflüge, für günstiges Bier und die Hautfarbe (in den Nuancen rosarot bis krebsrot) stehlen dem Auge beinahe die Sicht auf das wunderbar blaue Meer. Wir schlendern mit unseren drei Hexlein also der Promenade entlang zwischen rotgebrannten und übergewichtigen Britinnen und Briten jeder Altersklasse, alternativ scheinenden älteren deutschen Pärchen und braungebrannten Einheimischen. Wir landeten also mitten in einer Touristenhölle wieder, fühlen uns vor lauter Fremdschämen schon fast einheimisch und es wird mir bewusst, dass ich noch fünf Jahre zuvor niemals so Ferien machen wollte. Dann schaue ich auf die drei Hexlein, wie sie hochkonzentriert Sand in ihre Eimer schaufeln und bin irgendwie dann doch wieder ganz zufrieden. Zumindest wenn ich die Perspektive meines Nachwuchses einnehme.

 

Essen werde ich im nächsten Leben wieder

Das Essen ist toll. Morgens und abends erwartet uns ein gigantisches Buffet mit einer Auswahlmöglichkeit, dass sich manchen Nicht-Eltern bestimmt 5 Kilogramm Körpergewicht als Souvenir aus den Ferien mit nehmen. Ich und der Papa werden nach diesen neun Tagen bestimmt abgenommen haben. Unsere Essenszeit besteht hauptsächlich aus: Besteck vom Boden aufheben, Ketchup von Ärmeln wischen, Unmengen an Essen vom Buffet an den Tisch zu tragen, wo es dann entweder abgelehnt oder beim Versuch der Zwillinge es zu zerschneiden auf den eiligst ausgebreiteten Servietten landet. Freundlich lächelnd versuchen wir die Gäste der umliegenden Tische zu besänftigen und hinter dem gigantischen Schlachtfeld doch die drei süssen Mädchen zu entdecken. Haben wir uns endlich auch einen Teller gefüllt, wird dieser entweder unter Androhung eines Schreikrampfes von einem unserer Hexlein leer gegessen oder aber, sie sind bereits satt und haben definitiv keine Lust und keine Geduld mehr, ihren Eltern beim Herunterschlingen einiger Kalorien zuzusehen. Und mittlerweile bereits zwei mal verliess einer von uns mit mindestens einem der Kinder fluchtartig den Restaurantbereich, um einen unvermeidbaren Rauswurf zu vermeiden. Und wer selber Kinder hat, weiss welche Auswirkungen Koffeinmangel hat. Immerhin - wie ihr weiter oben lesen könnt - die Flasche Wein und das Päckchen Zigaretten abends sind jetzt unser! Und plötzlich fühlen sich die Ferien doch wieder ein wenig so an, als wäre ich noch jugendlich... 

 

Ich bin ja sowieso nicht der Typ "Stundenlang am Strand liegen"

"Leah, hör uf de Marie Sand arüehre." - "Dani, wo isch d`Anne-Madlin?" - "Anne-Madlin, hani Diär nöd gseit, sellsch nöd mit de Kleider is Wasser!" - "Marie, leg Din Sunnehuet wieder a." - "Papaaaaa, meh Wasse!" - "Papaaaaaa, meeeeeh Wasssseeeeeee!" - "Jo, Marie, am Strand häts Sand." - "Leah, gisch jetzt de Marie s`Chübeli wieder." - "Du Liebschtä, miär settid langsam zrugg is Hotel..." Strandferien sind einfach toll und so entspannend. Zum Glück habe ich kein Buch mitgebracht. Aber eben, ich war ja noch nie der Typ, der stundenlang am Strand in der glühenden Sonne lag...

 

Warum Mama am zweiten Tag Sonnenbrand hat

Wir planen einen Vormittags-Ausflug in den Sandkasten (Anmerkung der Redaktion: Strand auf Marie`isch). Windeln eingepackt, ja. Wasserflaschen für die Kinder gefüllt, ja. Ersatzkleider, ja (Mama hat trotz Improvisationstalent dazugelernt), Snack für sicherlich irgendwann hungrige Kinder, ja. Sonnenbrillen, ja. Alle Kinder eingecremt, ja. Alles bereit, los gehts. Und während der Papa sich noch rasch die Sonnencreme auf dem Bürokörper verteilt, fällt der Mama ein, dass man doch noch die Sonnenbrillen, die eigens für den Urlaub erstandenen einpacken müsste... Wo die nur wieder geblieben sind...? Eins, zwei, drei, endlich alle da und los geht es. Knappe drei Stunden später zurück im Hotel, Kinder alle geduscht und die leicht angebräunten Körperchen eingecremt, ruft das grosse Hexlein ganz mitfühlend: "Mama, Du bisch jo ganz rot am Rügge!" Trocken bemerke ich, dass ich zudem auch unglaublichen Durst hätte und der Papa nennt mich nun seine Britin.

 

Urlaub mit drei Hexlein ist sooooo entspannend. Aber hey, ich habe seit Samstag nicht einmal gekocht, nicht einmal geputzt. Ein wahres Paradies ist das hier!

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudi (Donnerstag, 30 März 2017 20:32)

    So toll Petra, hört sich nach einem erholsamen Familienurlaub an ;)))
    und irgendwie kommt mir alles soooo bekannt vor!

  • #2

    Patrick (Dienstag, 04 April 2017)

    chchch...dein blog liest sich gut...wo ist der Abo-Button!? ��