Aufräu... Neiiiiiiiiiiiiiiiin!!!

Oder warum Kinder lieber 10x über Legosteine fallen, als sie einmal aus dem Weg zu räumen...

Möchte ich ganz sicher sein, dass in den nächsten zehn Sekunden mindestens zwei der drei Hexlein in ohrenbetäubendes Gebrüll ausbrechen und mindestens das große Hexlein mir Worte wie: "gemein" und "lass mich in Ruhe" entgegen schleudert, fordere ich die drei zum gemeinsamen Aufräumen auf. Ich glaube langsam sie verfügen über übersinnliche Fähigkeiten, muss ich das böse Wort doch manchmal bloß denken und schon geht das Theater los. Von liebevollen (Lied dazu singen, Spiel daraus machen) bis hin zu radikalen Methoden (Abfallsäcke befüllen, Wohnzimmerverbot) habe ich schon sämtliche getestet und bin durchgehend kläglich gescheitert. Meine drei Hexlein sind - wie die meisten Kinder - hervorragend im Herstellen einer unglaublichen Unordnung innerhalb Rekordzeit. Und mindestens ebenso resistent darin, mir Gehör zu schenken, wenn ich mir Unterstützung bei der Beseitigung des Chaos erbitte. Das soll gefälligst der Haussklave (= Mama) erledigen, wir schauen derweil ein bisschen TV... Selbst schmerzvolle Erfahrungen wie: "Ich stolpere über ein Plüschtier und falle mit dem Kopf ans Tunnel der Brio-Eisenbahn" halfen bisher herzlich wenig. Dann wird 1. gebrüllt und 2. weitergespielt und 3. durch das Chaos gerannt und 4. wieder gefallen und wieder gestossen und wieder gebrüllt... Ähnlich wie Lemminge fallen Kleinkinder mit Vorliebe mehrmals über das gleiche Spielzeug und gerne auch mehrere Kinder hinter einander. Der Lerneffekt ist, wenn existent, dann definitiv nicht sichtbar.

Der Chaotismus scheint angeboren und vererbt. Führe ich mit dem Mann des Hauses doch oft ähnliche Diskussionen, mit dem Unterschied, dass er zwar mindestens ebenso resistent scheint, sich aber wenigstens nicht schreiend und schimpfend auf dem Boden wälzt. Leider scheitern auch sämtliche meiner selbsttherapeutischen Versuche über das Chaos hinweg zu sehen (oder treffender darüber zu steigen). Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn überall - und damit meine ich überall - irgendetwas liegt, was da nicht hingehört. Zudem, meine Kinder verfügen über drei Zimmer, welche explizit nur sie bewohnen (zwei Schlaf-/Kinderzimmer und ein Spielzimmer), da darf ich doch wohl verlangen, dass wenigstens in MEINEM Wohnzimmer abends keine Legosteine und keine Puzzleteile und keine Playmobilmännchen in der Dunkelheit auf meine nackten Füsse lauern, wenn ich in erschreckender Regelmässigkeit mitten in der Nacht mit meiner Bettdecke vom Schlafzimmer auf die Couch umziehe.
Aktuell bereite ich mich innerlich akribisch darauf vor, demnächst das Experiment "Chaos bleib Chaos" zu starten. Ziel: Solange nichts aufzuräumen, bis es den Rest der Bewohnerschaft selber stört. Oder anders formuliert: Ich übe mich in Selbstgeisselung. Denn, sie sind hartnäckig, meine Hexlein. Sehr hartnäckig.
Oooohmmm, oooohmmmmmmmm, oooooooohhhhhhhhhhmmmmmmmmmm... 
PS. Offenbar aus Selbstschutz habe ich sämtliche Chaosbilder aus meinem Handy gelöscht. Aber die Gelegenheit wird bald kommen, versprochen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0