Nerven, Geduld, innere Ruhe... Wo seid ihr?!?!?!

Oder, wenn Mama zum Mittagessen ein Glas Weisswein trinkt, dazu Schokolade isst und die Hexlein nach dem Essen (und bevor jemand jetzt die kesb einschaltet, sie assen Reste der Spätzli von gestern) ohne Zähneputzen vor den Fernseher setzt. Weil der einzig klare Gedanke, den ich gerade fasse kann, Fluchtpläne sind und mein Verstand leider ganz genau weiss, dass diese Pläne alle - egal wie ausgereift sie sind - nicht umsetzbar sein werden. Ich brauche also dringend ein paar Minuten um ganz ganz tief durchzuatmen und irgendwo der kleine Rest "gelassenes Ich" Wieder zu finden, der tatsächlich noch existiert.

 

Und nun zum Anfang. Montagmorgen - und anders, als ich noch ausser Haus arbeitete - spielt das eigentlich gar nicht so eine Rolle, die Sonne scheint, die Hexlein schlafen brav bis 7 Uhr und ich bin gut gelaunt. Habe Ideen und Pläne für den Tag. Bis auf ein paar kleine Zwischenfälle wie "Ich will mich nicht anziehen" und dem obligaten "Nein-nicht-Aufräumen-Geschrei" verläuft alles ruhig. Bis wir, weil Einkaufen einer der heutigen Programmpunkte ist, im Coop stehen. Die kleinen Hexlein wollen aus dem Leiterwagen, bleiben aber, obwohl vorher mit ernster Miene gewarnt, weder an der Hand noch in meiner Nähe und haben auch noch immer nicht verstanden, dass die Hände nicht zum Schauen sind und man dafür Augen hätte und, dass ich es lediglich gut meine, wenn ich sie nicht an zwei Meter hohen Holzbrettern ziehen lasse. Ich ermahne, streite, drohe also vom Eintreten ins Geschäft bis wir wieder draussen sind mit meinen drei Hexen und anhand ihres fortdauernden Gebrülls, mit dem sie meine Interventionen quittieren, kann jeder direkt mitverfolgen, wo wir genau sind. Mein Vorsatz, gelassener zu reagieren, weil es eben nun mal kleine Kinder sind, ist nach Sekunden bereits verflogen und ich möchte eigentlich bloss alles erledigt haben und wieder zu Hause sein. Nun bin ich aber leider mindestens eben so stur wie die drei und so lässt es mein inneres Stimmchen nicht zu, dass ich gehe, bevor ich gefunden und gekauft, was auf meinem Zettel steht. 

 

Zuhause rennen die drei den ganzen Tag ohne jeglichen Energieabfall durchs Haus, wollen ganz bestimmt und ohne Ausnahme ohne Kinderwagen und nur noch zu Fuss nach draussen. wen wundert es, wollen die beiden Kleinen, sobald der Leiterwagen voller Material (für ihren Sandkasten!!!) ist, keinen Schritt mehr gehen. Den ersten Teil des Weges jammern die beiden kleinen Hexlein also neben mir her "Mama, täääääge. Täääääge, tääääge!" Dann sitzen wir zehn Minuten auf dem Gehsteig, bis sie entscheiden, dass sie nun doch weitergehen möchten. Nur um einige Meter weiter wieder in ihr Geheul und Gejammer zu verfallen. Die letzten hundert Meter kippt das Gejammer in ohrenbetäubendes Gebrüll, die Sonne scheint jetzt nicht mehr schön, sondern heiss, das grosse Hexlein hat Durst und ich... Ich merke, wie ich innerlich zu explodieren beginne, längst keine Lust mehr habe, irgendwelche Ablenkungsversuche zu starten und einfach nur noch heim und eine Zigarette will.

 

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Daheim unter fortdauerndem Gebrüll das Mittagessen gekocht, wovon dann doch niemand wollte, weil die viel zu nachgiebige Mutter in verzweifeltem Versuch den Einkauf möglichst gesittet und ruhig hinter uns zu bringen, die drei ein Brötchen hat wählen lassen. Die nun in den Bäuchlein liegen und keinen Platz mehr fürs Gekochte lassen. Der pessimistische Teil in mir hört das grosse Hexlein schon gegen 14 Uhr nach der nächsten Mahlzeit jammern, weil man denn dann eben doch wieder Hunger hat. Also, Fernseher an, den Rest des Weißweines ins Glas, Zigarette und raus an die Sonne. Durchatmen! 

 

Nun sitze ich hier in sicherem Abstand (für beide Seiten - ich habe genügend Distanz zum Durchatmen, höre aber noch immer, was die drei tun), schreibe mir meine Wut und meinen Frust und meine Selbstzweifel und mein schlechtes Gewissen von der Seele und frage mich, warum um Himmels Willen mich solche Situationen noch immer so ärgern? Warum ich nicht einfach die Grösse habe zu lächeln, die drei zu lieben und zu denken, es sind halt kleine Kinder? Und voilà, da ist er, der Teufelskreis von gutem Vorsatz-doofer Situation-inadäquatem Verhalten einerseits (?)-schlechtem Gewissen... Und wir wären wieder beim guten Vorsatz. Gleich werde ich aufstehen, mich zu den drei vor den Fernseher setzen, sie knuddeln und küssen und uns still versprechen, dass der Nachmittag ganz anders und ganz schön wird... 

 

Hahaha, sagt das Teufelchen auf meiner Schulter. Hahaha...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0