Nur schlechte Eltern verwöhnen ihre Kinder...

Kommendes Wochenende feiern viele Menschen Ostern. Die Kinder freuen sich auf Schokoladeneier, Osterhasen in verschiedenen Formen, aus Schokolade, aus Marzipan, Plüschhasen. Eier werden bunt bemalt, beklebt, verziert. Osterbäumchen aufgestellt. Mit gekauften oder selbstgebastelten Häschen, Eiern, Kücken behängt. In der Kinderkrippe haben meine Hexlein einen Osterkuchen gebacken, singen Osterlieder, hören Geschichten rund um den Osterhasen. In der Spielgruppe werden Osternestchen gebastelt, vom Osterhasen gefüllt und zaubern den Kindern ein Strahlen ins Gesicht. Der wohl wichtigste Feiertag der Christen steht bevor.

Und, genau wie vor Weihnachten, geht in zahlreichen Mütterforen die Streiterei um die korrekte Anzahl an Geschenken für die Kinder los. Ein regelrechtes Wetteifern, wer denn den Kindern wohl am Wenigsten zu Ostern schenkt beginnt. Völlig zusammenhangslos mit der jeweiligen Ausgangsfrage, enden praktische sämtliche Diskussionen in Streitigkeiten über den Sinn und den Unsinn von Geschenken an die Kinder zum Osterfest. A. schenkt ihren Kindern nur einen Schokoladenhasen - und wird dafür angegriffen, weil ihre kleinste Tochter erst 18 Monate alt ist und um Himmels Willen doch noch keine Schokolade bekommen sollte. B.s Kinder bekommen neue Fahrräder - unmöglich, viel zu viel nur zu Ostern! Dass die beiden Kinder beide im November Geburtstag haben und ein Fahrrad im Winter nicht sehr viel Sinn macht, wird von 99% der Kommentierenden beflissen überlesen. C. sucht verzweifelt nach einem dieser Migros-Häschen, welche mit hart ershoppten Kleber zu bekommen waren, sie jedoch leider, weil alleinerziehend, keine Möglichkeit hatte, genügend dieser Kleber zu erstehen. Und das viermonatige Söhnchen weint doch bei jedem Besuch in besagtem Laden elendiglich nach einem solchen Häschen. Und schliesslich empört sich D., dass die Kinder vor lauter Schokolade und Geschenken den eigentlichen Sinn von Ostern gar nicht mehr verstehen würden...

 

Ganz ehrlich, also ich werde meinen drei Hexlein bestimmt auch keine Bilder vom blutenden, gepeinigten und ans Kreuz genagelte Jesus zeigen! Wie sollen diese kleine unschuldigen Mädchen auch verstehen können, warum das süsse Christkind, welches eben noch im Kripplein unter dem Weihnachtsbaum lag, nun erst so geplagt und getötet wird und dann von den Toten wieder aufersteht? Mit der Weihnachtsgeschichte habe ich es versucht, wirklich und es war mir wichtig, ihnen näher zu bringen, warum wir Weihnachten feiern und dass wir Weihnachten  nicht feiern, damit sie viele Geschenke bekommen. Allerdings habe ich spätestens dann kapituliert, als sie sich eines Morgens kurz vor Weihnachten um die Fee geprügelt haben. Bei der vermeintlichen Fee handelte es sich ergo um den Erzengel Gabriel, welchen ich beim Erzählen der weihnachtlichen Geschichte liebevoll auf dem Dach der eigens dafür besorgten bespielbaren Weihnachtskrippe platziert hatte. Ich verstand, dass Weihnachten die kommenden Jahre wohl primär aus Geschenken, leckerem Essen, lange Aufbleiben und hübschen Kleidern bestehen wird. Meinetwegen, auch gut.

 

Ich verwöhne meine drei Hexlein gerne. Meistens auf jeden Fall. Manchmal, in grausam rachsüchtigen Momenten nach einem der zahlreichen Dramen um nichts, kommt in mir die Lust auf sämtliches Spielzeug zu verbannen oder sämtliche Geschenke der kommenden 10 Jahre zu streichen. Aber nur ganz kurz, versprochen. Ich liebe es den Dreien ihre Wünsche zu erfüllen, mich durch das riesige Sortiment all der wundervollen kleinen Imitate unserer grossen Welt zu arbeiten und entdecke eigentlich fast ständig irgendetwas, was meine Mädchen sicherlich erfreuen würde. Vor allem aus Gründen der Chaosvermeidung bin ich nach bald fünf Jahren Mutterschaft mittlerweile etwas zurückhaltender. Nichts desto trotz, meine Hexlein wurden zu Weihnachten reich beschenkt, werden an ihren Geburtstagen wie kleine Königinnen behandelt (obwohl den grössten Teil der Arbeit, dass sie heute auf dieser Welt sind wohl einst ich selber erledigte) und bekommen auch einfach so hin und wieder etwas zugesteckt. Und ja, sie werden auch zu Ostern beschenkt. Da sie zu Schokolade und anderem Süsskram eigentlich ungehinderten Zugang geniessen, weniger damit, sondern mit Geschenken eben. Vom Regenschirm über Kinderbesteck (aus rein egoistischen Gründen versteht sich, weil ich der Streitigkeiten um genau diese Gabel müde bin) bis zu einem piepsenden Kücken ist alles dabei. 

Der Ostersonntag wird wunderschön. Mit strahlenden Augen werden meine drei Hexlein ihre Nestchen suchen und entdecken und begutachten und auseinandernehmen. Und ich mit ebenso strahlenden Augen in der Nacht davor all die Kleinigkeiten hübsch drapieren und verstecken und vor lauter Aufregung kaum erwarten können, dass die drei endlich erwachen. Ich werde sie verwöhnen und ich werde es geniessen. Bis dahin lese ich mich durch all die Mütterforen, übe mich in Zurückhaltung, wenn es ums Kommentieren all der Streitigkeiten und dem giftigen Wetteifern geht und mich mit einem seligen Grinsen im Gesicht ganz ganz fürchterlich schlecht fühlen...

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Samstag, 15 April 2017 13:25)

    Viel Spass beim Verwoehnen (sorry..geht nur so: oe und ue...) und Geniessen! PS. Was wäre, wenn frau wemiger Muetterforen lesen wuerde? ;-)

  • #2

    Lucinda (Montag, 17 April 2017 08:31)

    Wow...
    Echt voll troffe din Text.
    Wia recht du bi allem hesch.
    Ich lese Mi gern dure,Macht Spass.
    Witer so