Peinlich, peinlich, peinlich!!! Wehe, wenn die Hexlein einst lesen können...

Wird es meinen Hexlein dereinst peinlich sein, wenn sie des Lesens mächtig diese Zeilen und all die anderen Texte über ihren/unseren Alltag mitverfolgen können? Ganz ehrlich, ich habe mir diese Frage nie gestellt. Als sie dann im Rahmen meines kleine Osterwettbewerbs auftauchte, habe ich mir lange den Kopf darüber zerbrochen...

 

Kinder(Bilder) im Netz ist ein viel diskutiertes Thema, welches in diversen Gesprächen immer wieder zu heftigen Streitigkeiten führt. Weil wie beim Impfen, beim Essen, bei eigentlich allem rund um Kinder auch hier, weder die Befürworterinnen noch die Gegnerinnen akzeptieren können, dass sich auf unserem Planeten Menschen mit anderer Haltung und anderen Meinungen bewegen.

 

Ich gehöre zum Lager der Tuerinnen. Auf meinem Facebook-Account finden Freunde demnach regelmässig neue Bilder meiner Hexlein und mit diesem Blog mache ich ausgewählte Bilder und vor allem einen Einblick in unseren Alltag auch mir nicht bekannten Menschen zugänglich. Bin ich nun eine fahrlässige Mutter? Eine bösartige Mutter? Was, wenn meine drei Mädchen das später einmal gar nicht gutheissen werden?

 

Also erstens mache ich mir überhaupt keine Illusion, dass ich spätestens in zehn Jahren für meine drei Töchter (oder mindestens eine bis zwei davon) sowieso die Verkörperung der Peinlichkeit sein werde. So gehört sich das. Sie werden dann alle drei ungefähr gleichzeitig Mitten in diesem Teufelsding genannt Pubertät stecken und es ist Programm, dass insbesondere Mädchen dann in sämtlichen Lebenssituationen möglichst viel Abstand von ihrer Mama wünschen. Und ich verrate Euch, ich bereite mich darauf vor und plane daher schon seit dem Geschlechts-Outing der Zwillinge meine Flucht. Im Detail stelle ich mir einen mindestens drei Jahre dauernden Urlaub auf einem anderen Kontinent vor, alleine, sobald die drei Hexlein alle so zwischen 12 und 15 Jahre alt sind. Dann soll sich der Papa mit den Hormonschwankungen seiner drei Prinzessinnen herumschlagen. Ich komme dann wieder, wenn die Normalität zurückgekehrt ist.

 

Und jetzt ernsthaft. Der Gedanke, dass sich meine drei Mädchen von meinen Texten einmal peinlich berührt fühlen könnten, wird mich auch künftig nicht davon abhalten, detailliert irgendwelche Dramen oder andere Anekdoten aus unserem Alltag zu schildern. Natürlich, die Vorstellung, dass jemand der Öffentlichkeit preisgeben würde, dass ich mal wieder verzweifelt schimpfend und einem Nervenzusammenbruch nahe durchs Haus gerannt bin, weil ich ein weiteres Mal keine Ahnung habe, wo ich mein Handy hingelegt habe, erfüllt mich auch nicht gerade mit Vorfreude. Oder der Gedanke, dass mein Liebster meine kaum vorhandene Geduld mit technischen Geräten einer grösseren Öffentlichkeit präsentieren könnte, lässt mich auch kurz beschämt erröten. 

 

Trotzdem, ich finde nichts Schlimmes daran. Ich stelle niemanden bloss und wenn, dann in erster Linie wohl mich selber. Meine Mädchen sind ganz normale Kinder mit ganz normalen Allüren, all den viel diskutierten und von allen Eltern mit Panik erwarteten Phasen eben. 


Etwas vom Ersten, was ich als Mama gelernt habe war, dass die Realität einer kleinen Familie so ziemlich anders ist, als sie in all den Erziehungsratgebern und von den meisten Schon-Eltern dargestellt wird. Ich lernte, nicht jedes Baby schläft anfangs die meiste Zeit. Es gibt Exemplare, die den stolz und in freudiger Erwartung gekauften Kinderwagen so gar nicht mögen. Babys, welche keinerlei Appetit auf selbstgekochten Gemüsebrei haben. Und und und... Wäre mein Umfeld mit Kindern von Beginn an ehrlicher gewesen, wären mir viele böse Überraschungen erspart geblieben. 

 

Aus diesem Grund schreibe ich weiterhin, aufrichtig und Mitten aus dem Alltag. Und ohne darüber nachzudenken, was meine Mädchen mir später einmal dazu sagen werden. Ich versuche sie einzig bis dahin so zu begleiten, dass sie sich zu selbstbewussten und eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln, die über so etwas stehen und lachen können. Genau so, wie ich mein grosses Hexlein seit bald drei Jahren ihre Kleider selber wählen lasse (eine andere Wahl liess sie mir nicht) und mich allerhöchstens einmische, wenn sie Mitten im Winter ihr Sommerkleidchen spazieren führen möchte. Es soll ihr gefallen und sie soll mit Stolz und Überzeugung tragen, was eben gerade ihrem Geschmack entspricht. Und meine Aufgabe als Mama ist es, sie dabei zu unterstützen, ihre Persönlichkeit so zu stärken, dass sie leben kann, wie sie mag und sie notfalls aufzufangen und festzuhalten. 

 

Und vielleicht, wenn es mir gelingt authentisch und aufrichtig zu sein, werden meine Drei auch gewissen Dinge nachvollziehen und verstehen können, dann, wenn sie es lesen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Patrick (Montag, 17 April 2017 20:36)

    ..finde deine Einstellung gut. Freue mich bereits auf das beschämende Gesicht der drei, wenn ich ihnen dann einmal davon erzähle und zeige, wie sie Mama wieder den letzten Nerv geraubt haben...;-) früher waren es die Foto-Alben, heute halt der Internet-Blog...c'est la vie!

  • #2

    susan ponti (Freitag, 21 April 2017 04:19)

    liebi petra, es freut mich sehr dass meine etwas provozierende frage dich zum nachdenken angeregt hat �
    toller blog! genau ehrlich authentisch und offen!
    so kenn ich dich und so schreibst du.. danke für den einblick!
    und deine mädels werden sicher in der pubertät stolz auf dich sein und es wird easy ���
    bis gliii