Und dann frage ich mich: Wo ist die Liebe geblieben?

Wahre Liebe kennt man erst,

wenn man sein eigenes Kind in den Armen hält.

Mit der Geburt meines grossen Hexleins, lernte ich eine Liebe kennen, welcher ich zuvor nie auch nur ansatzweise in ähnlicher Form begegnet bin. Diese Liebe ist unglaublich. Intensiv, emotionsgeladen, tief, umfassend und absolut vorbehaltlos. Und sie macht all die schwierigen Momente wieder wett.

 

Aber wie alle Lieben verändert sie sich... Glaube ich heute. Ich dachte und hoffte wohl, dieses überwältigende und magische Gefühl der ersten Zeit bliebe in genau dieser Intensität. Ich irrte. Es kamen andere Gefühle dazu. Erschöpfung, Frustration, Wut, Enttäuschung und manchmal sind diese Gefühle so stark, dass sie alles andere zu überdecken vermögen.

 

Das sind dann vielleicht solche Tage wie gestern... Da beherrschen andere Dinge als überschwängliche Liebe den Alltag. Und irgendwann zwischen Tränen, Schimpfen und wütenden Blicken hält man plötzlich inne und fragt sich, wo denn die Liebe geblieben ist... Sucht nach diesem Gefühl, nach dieser Innigkeit, wenn man seine Kinder anschaut und vor Glück platzen könnte. Man automatisch lächeln muss und ein wohliges Kribbeln vermischt mit einer grossen Portion Stolz den Körper durchflutet. Aber genau in diesen Momenten, wo man sie so dringend nötig hätte, ist sie in der Regel nicht zu finden...

 

Stattdessen erscheint da das schlechte Gewissen, welches mir einzureden versucht, dass ich aber eine fürchterlich schlechte Mutter sei. Ich sollte doch diese Liebe einfach spüren und nicht suchen müssen und nicht mal dann, ja nicht mal beim Suchen fände ich sie! Pfui!!! Schon verstricke ich mich wieder in eine dieser mühseligen Diskussionen mit meinem Gewissen. Leider bin ich in meiner Rolle als Mama gerade in diesen Momenten nicht gefestigt genug, um meinem mühseligen Gewissen mit guten Argumenten zu widersprechen und so führen diese Gespräche eher in depressive Verstimmungen anstatt zum Gefühl der Liebe.

 

Ziemlich spät abends, als ich schon im Bett lag und in meinem Kopf verschiedene, alles eher unbrauchbare Fluchtpläne durchspielte, erschien dieses lästige schlechte Gewissen schon wieder. Und erklärte mir ohne Punkt und Komma, dass ich - egal wie gut meine Ideen seien - ja sowieso niemals davonlaufen würde, weil ich doch niemals meine Hexlein im Stich lassen würde... Gezwungenermassen hörte ich geduldig zu und versuchte Gegenargumente zu finden. Bis ich erkannte, dass mein Gewissen diesmal absolut recht hat. Und zwar, weil da diese Liebe ist. Dieses überwältigende, magische und immerwährende Gefühl, welches ich nur diesen drei kleinen Nervensägen gegenüber empfinde. Ha, triumphierte ich bestärkt darin, doch richtig zu sein und lachte dem schlechten Gewissen ins Gesicht. 

 

Sie ist immer da, die Liebe. Nur manchmal eben ein bisschen versteckt oder ein bisschen verkleidet. Aber da ist ist! Also, keine Sorge, auch während ich mich mit Rachegelüsten im Kopf über all die Fürchterlichkeit dieses Mutterseins auslasse, ich höre niemals auf meine Mädchen für das Beste überhaupt zu halten. Zumindest irgendwo im kleinen Zeh bleibt das Gefühl dann schon hängen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Mittwoch, 26 April 2017 10:51)

    wunderbar und Realitäten entsprechend geschrieben..schicke dir in Gedanken viel Energie..