Zum Teufel mit diesem Teufel...

Gestern war ein Scheisstag! Eigentlich schon vorgestern...

 

In leider viel zu regelmässigen Abständen gerate ich in einen Teufelskreis von Frust, unmotiviert sein, Müdigkeit, Genervtsein und darauf folgend schlechtem Gewissen und guten Vorsätzen für den nächsten Tag. Wenn ich ganz ehrlich reflektiere, sind die Auslöser meist eine Kombination aus Erschöpfung, nicht umgesetzten Ideen, körperlichem Unwohlsein, einem immensen Bedürfnis nach Ruhe und dem ewigen Dauergestreite und Dauergebrüll meiner Hexlein.

 

Nichts desto trotz stehe ich eigentlich jeden Morgen motiviert und gut gelaunt auf. Egal wie kurz die Nacht war und egal, wie früh ich aus dem Bett muss. Neuer Tag, neues Glück so die Devise und mein Hirn schmiedet Pläne für eben diesen neuen Tag. Überlegt sich logisch, was erledigt werden muss, aber meistens auch ziemlich schnell, womit denn die Hexlein unterhalten und erfreut werden könnten. Dann kommt Stunde 0, die Schar erwacht und in der Regel - ohne jetzt des Unglücks Verlauf gleich vorweg nehmen zu wollen - dauert es maximal fünf Minuten bis entweder eines der Hexlein mich anschreit oder sich mindestens zwei der Hexlein in den Haaren liegen. Und leider ist das auch meistens bereits schon der Wendepunkt und meine Motivation und Freude verschwinden. Ich bin genervt! Ich will weg! Ich will Ruhe! Sämtliche Ideen für irgendwelche Unternehmungen wandeln sich in meinem Kopf zu Horrorszenarien, weil ich mir vorstelle, wie ich mich fühle, wenn denn dann die Hexlein auch unterwegs nur wollen und nicht wollen und brüllen und streiten... 

 

Manchmal gelingt es mir, mich selber nochmals zu motivieren und gleichzeitig auch die Hexlein davon zu überzeugen, dass wir etwas Tolles unternehmen möchten, sie sich dazu doch nun aber anziehen sollten und es viel angenehmer wäre, würden sie das ausnahmsweise einmal ohne Schreien, ohne Verweigern und ohne sich körperlich dagegen zu wehren über sich ergehen lassen. Ist der Papa zu Hause resigniere ich meist bereits an diesem Punkt und lasse sie gewähren. Leider nicht ohne meinen Unmut kundzutun, was dann ganz oft dazu führt, dass ich mir bereits frühmorgens von meinem Liebsten meine Laune bemängeln lassen muss. Das bringt mich dann aber nur innerlich zum Nachdenken, äusserlich werde ich lediglich noch genervter und noch verärgerter - schliesslich könnte ich ja wenigstens von ihm erwarten, dass er nachvollziehen kann, warum ich angesichts dieser Dramen irgendwann den Geduldsfaden verliere. Auch wenn ich ja zugebe, dass dieses irgendwann in diesen Momenten an einem sehr kurzen Geduldsfaden hing...

 

So starten wir dann also in den Tag und so zieht sich das weiter. Ich gehe meinen drei Hexlein so weit es geht aus dem Weg, ziehe mich zurück, putze, koche, räume auf und mag so gar nichts ertragen. Ich reagiere hypersensibel auf jedes Gejammer und es interessiert mich nicht einmal, ob es einen wirklichen Grund hatte, das erneute Losschreien. Ich mag nicht kuscheln, nicht spielen und schon gar nicht einfühlsam sein. Für irgendwelche Unternehmungen und sei es bloss mit den Dreien durch den naheliegenden Wald zu streifen, fehlt mir jegliche Motivation. Erinnert mich mein Hirn doch ständig daran, dass das ja nun sowieso wieder nur ein Drama gäbe, weil man ja Schuhe anziehen müsste und zum Wald spazieren und vielleicht an der Hand laufen und und und. 

 

Mittags bin ich dann so erschöpft, dass ich, wenn die Kinderlein zur Mittagsruhe in ihren Zimmern verschwunden sind, nicht endlich zum Ausgleich und in Ruhe etwas für mich erledige, sondern meistens nach kurzer Zeit ebenfalls eingeschlafen bin. Tagsüber schlafen und geweckt werden verträgt sich aber so gar nicht mit mir und so ist meine Laune danach alles andere als besser. Die Hexlein ausgeschlafen und voller Tatendrang rennen durch die Wohnung, streiten, schaffen Chaos und der Mama fehlt jegliche Motivation diesen Elan in sinnvolle Bahnen zu leiten. 

 

Sind die Kinder abends dann schliesslich endlich in ihren Betten und die ersehnte Ruhe eingekehrt, schleicht sich umgehend das schlechte Gewissen bei mir ein. Ich hadere damit, dass ein weiterer Tag einfach so vergangen ist, ich mich wieder einmal so gar nicht zurücknehmen konnte. Fühle mich schlecht und würde am Liebsten bei allen drei gleichzeitig kuschelnd ins Bett liegen. Ihnen stundenlange Monologe darüber, wie lieb ich sie habe und wie toll sie sind und wie leid es mir tut in die Ohren flüstern und nehme mir ganz ganz fest vor, morgen wird alles anders. Morgen hat die Mama mehr Nerven. Morgen ist die Mama ruhiger. Morgen, ja morgen... Mittlerweile schaffe ich es wenigstens, mein schlechtes Gewissen zugunsten neuer Vorsätze soweit weg zu schieben, dass ich einigermassen ruhig schlafen kann und den kommenden Tag nicht auch gleich noch mit einem Mangel an Erholungsschlaf zu starten. Morgen, ja morgen...

 

Und dann kommt dieser Morgen. Motiviert stehe ich auf, dusche, ziehe mich an, bereite alles vor, trinke meinen Kaffee, die Hexlein erwachen, rufen mich, ich gehe in ihre Zimmer... Und der Teufelskreis geht von vorne los!

 

Nach mehreren aufeinanderfolgenden solchen Tagen bin ich jeweils ziemlich zerstört. Mein Ich zeigt mir eine frustrierte, genervte und so gar nicht liebevolle Mama. So gar nicht, was ich eigentlich sein möchte und so gar nicht dem Bild entsprechend, was ich eigentlich von mir habe... Mein Verstand findet für alles eine Erklärung, nur mein Herz scheint in diesen Situationen entweder stocktaub oder blöd wie Brot zu sein, denn es ist einfach nicht in der Lage zu hören und zu verstehen, was ihm der Verstand erklären möchte. Es verschliesst sich und suhlt sich in einer Mischung aus Selbstmitleid, Selbstzweifel und Bedürftigkeit. Jede Faser von mir sehnt sich nach einem Happyday. Einem tollen Tag, mit lachenden Hexlein, strahlenden Kinderaugen und einem Mamaherz, das vor Glück und Liebe fast zerspringt. Mir wird dann durchaus bewusst, dass die "Schuld", dass dem nicht so ist, grösstenteils bei mir liegt. Meine Hexlein spiegeln mich... In anderen Situationen - beispielsweise, als das grosse Hexlein kurz nach seiner Geburt entschied täglich stundenlang zu schreien - hätte ich jeden, der mir diesen Satz sagte, direkt verprügeln können. Was schiebt man einer völlig überforderten und erschöpften Mama eines Schreibabys auch noch die Schuld zu, in dem man ihr etwas von "Dein Kind ist immer ein Spiegel Deiner selbst" entgegen schmettert. Das war irgendwie alles andere als motivierend und verständnisvoll. Nun aber erkenne ich zumindest auf diesen Teufelskreis gemünzt, eine gewisse Wahrheit dahinter.

 

Nicht, dass sie auf Anhieb etwas ändern würde, diese Erkenntnis. In einem ersten Schritt vergrössert sie mein schlechtes Gewissen, drängt mich in alle die guten Vorsätze und lässt den Frust noch gewaltiger erscheinen, wenn es denn dann eben schon wieder nicht gelungen ist. In meinen Augen bin ich in solchen Momenten die schlechteste und unfähigste Mutter überhaupt und kann nicht verstehen, warum ich so wenig Empathie aufbringen kann. Warum ich mich an diesen Tagen so penetrant und narzisstisch in den Vordergrund stellen muss. Und bin erschrocken darüber, wie sehr in in diesen Momenten die eigentlich unendliche Liebe für meine drei Mädchen so sehr ausblenden kann.

 

So sitze ich jetzt hier, schreibe diesen Text und warte darauf, dass die Hexlein sich bereit zum Aufstehen melden. In meinem Innern tobt ein Kampf. Die kleinen Hexlein gehen heute in die Kita und ich fühle mich schlecht dabei. Ich möchte doch den Tag gestern kompensieren, ihnen etwas Gutes tun... Der Drang, sie daheim zu lassen, ist ziemlich gross. Nun, ich weiss aber, das wäre kontraproduktiv. Also werde ich sie bringen, innerlich leidend, äusserlich motivierend freudig und hoffe, dass der ruhige Tag mit nur der Grossen zu Hause den Teufelskreislauf durchbrechen kann und wir dann den Rest der Woche geniessen können, mehrheitlich zumindest.

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Kommentare: 1
  • #1

    susan ponti (Dienstag, 25 April 2017 05:33)

    viel kraft meine liebe ❤️
    auch bei uns gibts streit, tränen und frust...
    aber dank gezielter lieblingsbeschäftigung zb kneten findets immer wieder ruhe ��
    spielen deine kids gerne mit anderen kindern?
    vielleicht hilft besuch zum mal in ruhe kaffi zu trinken und erwas runter zufahren?
    ☕️���