Können verwöhnte Kinder dankbar sein?

Nachdem gestrigen Tag habe ich mich länger mit der Frage auseinandergesetzt, ob Verwöhnen und Dankbarkeit beziehungsweise die Freude auch am Kleinen miteinander zu vereinen sind? Oder, ob je verwöhnter, desto selbstverständlicher und desto weniger ehrliche Dankbarkeit...?

 

Gestern war Shopping-Tag mit dem grossen Hexlein. Nicht grundlos und nur zum Vergnügen, die seit dem vergangenen Sommer diazugewonnenen Kilos und Zentimeter machen sich in der mittlerweile sehr eingeschränkten Kleiderauswahl in ihrem Schrank bemerkbar. Also entschied ich den zwillingsfreien Tag zu nutzen und mich mit der Dritten im Bunde auf in die grosse Stadt zu machen. Ganz zukünftige Frau spazierte mein Töchterchen mit glänzenden Augen in denen sich all die Elsas, Little Ponys, Sophias und Glitzersteinchen der ausgestellten Kleidern spiegelten durchs Kleiderparadies. Und ich, berauscht von dieser Glückseligkeit war nur noch eingeschränkt dazu in der Lage, den kleinen fast fünfjährigen Teenager zu den wirklich auf der Liste stehenden und vielleicht auch glücklicherweise heruntergesetzten Kleidungsstücken zu steuern. So verwundert es nicht, dass wir schlussendlich das Geschäft mit einem immensen Stapel an Kleidern und einem weit grösseren Loch auf dem Konto verliessen, als ich ursprünglich geplant hatte. Aber, Hexlein strahlte, also ich auch. Und die beste Ausrede überhaupt - später brauche ich ja eh alles doppelt - setzte sich in meinem Kopf in den Vordergrund. Ganz stolz trug meine Grosse zudem den aus eigenem Sack bezahlten "HelloKitty-LittlePony-Kitschschmuck" um den Hals.

 

Im nächsten Geschäft stiessen wir nicht nur auf die Jeans, welche wir zu kaufen geplant hatten, sondern auch noch auf ein paar süsse Jupes und meine Frozen-versessene Tochter auf Anna-Puppe Nummer 347. Auch die bezahlte sie selber. (Anmerkung: Begründet mit pädagogischen Hintergedanken stelle ich ihr seit einiger Zeit Geld, welches ich aus dem Verkauf ihrer "alten" Spielsachen erwirtschafte zur Verfügung. Ein erstes Lernfeld im Umgang mit Geld, das ja eben leider nicht auf den Bäumen wächst.) Der krönende Abschluss des "Frauen-Shopping-Morgens" war dann noch das Mittagessen im Restaurant, in welches uns der Appetit meines Töchterleins steuerte, bevor wir dann, Mama bepackt wie ein Lastesel, nach einem Abstecher in die Spielwarenabteilung, welcher nicht ohne Folgen blieb, die Heimfahrt antraten.

 

Ich glaube, das habe ich schon erwähnt, ich verwöhne meine Mädchen gerne und wahrscheinlich ein bisschen zu oft. Der nämlich wundervolle Tag endete in wüsten Streitereien und wütender Beschimpfung der Schlichtstelle Mama, weil sich die Hexlein einfach nicht einigen konnten, wer denn nun mit welchem der drei Spiel-Haartrockner (zwei davon erst erworben) meinen Kopf malträtiert. Und ich merkte, wie sich in mir Wut und Enttäuschung breit machte, darüber, dass meine Tochter doch so verwöhnt worden war heute und trotzdem da statt Dankbarkeit und Freude, Neid und die Sorge, weniger als andere zu haben stärker war. 

 

Meine drei Hexlein leben sicherlich im Überfluss. Und das habe ich wohl grössten Teils mir selber zuzuschreiben. Trotz allem versuche ich mein Bestes, ihnen den Blick fürs Detail, die Freude am ganz Kleinen und Dankbarkeit anstatt Selbstverständlichkeit mitzugeben. Es stimmt mich nachdenklich, wenn ein Kind vor lauter Überfluss nicht lernen kann, auch immaterielle Dinge oder Kleinigkeiten zu schätzen. Und gestern, als die Streitigkeiten seinen Lauf nahmen, kein Ende in Sicht schien, fragte ich mich plötzlich, ob ich meine Töchter zu eben solchen Kindern verwöhnt hatte?

 

Die Frage beschäftigte mich die halbe Nacht und ich ärgerte mich über mich selbst, es machte mich wütend, diesem Kinder-Konsum erlegen zu sein, ich war enttäuscht, kein "Danke, Mama" gehört zu haben...

 

Aber: Das grosse Hexlein hat gestrahlt. Auf dem Weg ins Geschäft, im Laden selber, beim Anblick der Tüte voller Kleider. Als sie abends dem Papa von ihrem Tag berichtet und auch noch, als sie heute Morgen eine ihrer neuen Hosen anzog. Ich denke, dass ist für eine knapp fünfjährige Dankbarkeit genug! Sie sass heute Mittag am Esstisch und verkündete meiner Tante vollen Lobes, dass ihr Papa und ihre Mama eben das beste Essen kochten und dann schlugen sich alle drei die Bäuchlein voll. Weit schöner, als "Danke fürs Kochen". Sie können sich alle drei mit einer Kartonschachtel einen Vormittag lang beschäftigen und sprudeln dabei vor Phantasie und Begeisterung. Und als meine Grosse nach ihren Wünschen zum Geburtstag gefragt einzig einen kleinen, glitzernden Ball mit dem Porträt der geliebten Elsa darauf nannte, wusste ich, dass sie durchaus genügsam sind. Sie kennen die Begriffe Verzicht und Teilen, können das manchmal besser und manchmal eben schlechter. Wissen aber genau, worauf es ankommt. Als ich nämlich erklärte, dass wir, um Streitigkeiten unter meinen drei zu verhindern, die eine gefüllte Sammelkarte für die Weihnachtsteddys der Mirgros, für ein Kind spenden werden, welches nicht so viel Spielzeug besitzt, waren sie alle protestlos einverstanden.

 

Verwöhnt werden und Dankbarkeit geht also doch miteinander. Im Überfluss leben, ohne den Blick fürs Kleine zu verlieren ebenso. Und beim Teilen und Verzichten scheinen die drei bereits alle ganz genau zu wissen, wer es überhaupt verdient, etwas zu bekommen und wer nicht. Wer nämlich schon Vieles besitzt, der soll nicht noch mehr haben. Also kann man sich untereinander weiterhin um jedes noch so kleine Spielzeugding streiten. Ganz sicher gerät Mama bald wieder in Spendierlaune und plötzlich hat sich das umkämpfte Dinge verdreifacht... ;-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Freitag, 28 April 2017 17:22)

    Es ist ein Vergnügen deine Zeilen zu lesen! Kann mir alles so lebhaft vorstellen..ein bisschen Verwöhnen schadet bestimmt nicht..
    Mutter-Tochter-Tag..wunderbar..Tochter wird das bestimmt nie vergessen..Dankbarkeit, wenn nicht heute..dann sicher morgen oder über-über-über-morgen..

  • #2

    susan ponti (Samstag, 29 April 2017 13:35)

    mein grosser (4j) sagt mir am abend oft, ach hatten wir einen wunderschönen tag!
    da lacht das mami herz und alle streitigkeiten sind vergessen..
    dankbarkeit kann so vielseitig sein ❤️