Happy 1. Mai - Tag der Arbeit

Ganzes Haus gesaugt - Check! Ganzes Haus feucht gewischt - Check! Betten frisch bezogen - Check! Gesundes und leckeres Mittagessen gekocht - Check! Waschmaschine lief und läuft - Check!

 

Ganz kurz überlegte ich mir heute - zu Ehren des 1. Mai und in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien oder dem Generalstreik der nordamerikanischen Arbeiterbewegung am 1. Mai 1886 jeweils zur Durchsetzung des Achtstundentags - zu streiken. Also, statt zu putzen und zu kochen und zu waschen, während der Papa mit den Hexlein bei den Grosseltern weilt, in die warme Wanne zu liegen, einen Film zu schauen, ein Glas Wein zu trinken und um 11:30 Uhr ganz verwundert zu sein, wenn meine Familie hungrig wieder zu Hause erscheint. Aber nur ganz kurz... Die Gegendemo wäre heftig, laut und chaotisch geworden und mir wäre somit mindestens doppelt so viel Arbeit geblieben.

 

Als ich also Kopfhörer auf und Musik ganz laut hinter dem Staubsauger durchs Haus tanzte und die Zeit nur so verflog, dachte ich wieder einmal an meine grossen Idole... Ganz ehrlich? Ich bewundere mit völliger Aufrichtigkeit all jene Mütter und Hausfrauen, welche in zahlreichen Mütterforen ohne vor Scham rot zu werden und ohne lange Nasen zu bekommen ganz überzeugt behaupten, jeden Tag das ganze Haus zu saugen und zu wischen. Der Grossteil dieser Superfrauen - ja, ich konnte das anfänglich auch kaum glauben - putzt auch noch täglich Klo und Bad und wäscht die Duschtücher nach jedem Abtrocknen. Daneben haben sie noch Kinder, sind berufstätig und führen eine harmonische Ehe mit erfüllendem Sexleben. Wow!!! Oder? Ach und ich vergass, sie gehen mit ihren Kindern auch jeden Tag mehrere Stunden an die frische Luft.

 

Gell, jetzt erlebst Du grad ein Wechselbad der Gefühle? Das ging mir auch so. Erst musste ich laut lachen. Dann wurde ich ganz still und fing innerlich an zu zählen, wie viele der Dinge ich heute schon geschafft habe. Selten sah die Bilanz sehr gut aus für mich und wenn, dann waren sicherlich die Kinder ausser Haus. Ich fing also an zu schwitzen und fühlte mich plötzlich ganz fürchterlich schlecht. Und schmutzig! Weil, fragte ich dann jeweils bei diesen Haushaltsgöttinnen nach, wie sie denn das alles an nur einem Tag mit den üblichen 24 Stunden schaffen könnten, wurde ich meistens darüber informiert, dass sie eben zwei Katzen, einen Hund und ein Kleinkind hätten und diese ganze Putzerei darum nötig sei, weil man wolle ja nicht, dass es dreckig und unhygienisch sei. Uihuihui... Ich habe auch eine Katze... Und drei Kleinkinder... Aber!!! Oh, ich tanze gerade, keinen Hund!!! Trotzdem fühlte mich mich dann jeweils immer ganz fürchterlich schlecht. Und alles schien mir so dreckig, voller Katzenhaare und Flusen und Staub und Essensreste und... So gar kein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Hoffentlich kommt mein Mann heute Abend wieder nach Hause, überlegte ich mit ansteigendem Panikgefühl in der Brust. Ich muss schnell wenigstens noch ein Bier kühlstellen...

 

Mittlerweile sehe ich es gelassener. Man kann bei mir durchaus oft vom Boden essen und anders als in anderen Haushalten, bekommt man den Bauch dabei auch voll. Und ja, ich mag es auch nicht, wenn ich mir ständig irgendwelche Krümel von den Füssen kratzen muss, ich trage jetzt einfach häufiger Socken. Wir gehen noch immer nicht jeden Tag raus - ich habe mir nämlich keinen Hund angeschafft und die Kinder gehen auch nicht gleich ein, wenn sie mal ein paar Tage frische Luft nur durchs geöffnete Fenster konsumieren. Bis es selbstreinigende Badewannen gibt, werde ich das Bad weiterhin nur einmal wöchentlich putzen und was die Duschtücher anbelangt, ich unterstütze lieber die Umwelt. Trotz allem fühle ich mich mittlerweile wieder in der Lage jederzeit Besuch zu empfangen, sogar meine Schwiegermutter.

 

Ich bin der Sache nämlich auf die Schliche gekommen! Ich glaube, ich habe eine grosse Lüge der Mütter und Hausfrauen aufgedeckt. Denn obwohl sie überall in all den Mütterforen ihr Unwesen treiben, diese putzfanatischen Reinheitsgöttinnen und überall ihre vernichtend blickenden Augen und ihre langen Zeigefinger haben... Bisher konnte mir noch keine die Frage beantworten: Wie in Himmels Willen schafft man sowas an einem Tag und nebst dem ganzen Alltagskram? Sperrt ihr Eure Kinder im Keller ein? Habt ihr draussen einen grossen Käfig, damit ihr in Ruhe putzen könnt, während sie gemeinsam mit dem Hund frische Luft tanken? Oder lebt ihr in einem Puppenhaus? Lasst ihr Euch jeden Tag Pizza liefern? 

 

Sollte jemand von Euch, liebe Leserinnen, eine dieser meiner Heldinnen sein, dann entschuldigt bitte, dass ich mich über Euch lustig mache. Es handelt sich hierbei um reinen Selbstschutz. Diese Taktik musste ich mir zulegen, als ich kurz vor dem Verlust sämtlichen Selbstbewusstseins stand. Sei also bitte nicht wütend. Du hast jetzt die Chance meine bösartige Theorie der unaufrichtigen Selbstdarstellung zu widerlegen. Du musst mir nur verraten, wie ihr das schafft. Danke!!!

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