Und irgendwie wars mir peinlich...

Seit unsere drei Hexlein auf der Welt sind, laden wir unser Sozialleben meistens zu uns nach Hause ein. Am Samstag hatten wir also wieder einmal Besuch, ein Freund meines Mannes und dessen Freundin. Es war ein gemütlicher, lustiger, angeregter Abend. Und irgendwie fühlte ich mich plötzlich altbacken, langweilig und schwach...

 

Auch wenn ich einst andere Vorstellungen hatte, von meinem Leben als Mama - ich sah mich nie als Mama und Hausfrau alleine, immer auch noch als erfolgreich Berufstätige dazu - fühle ich mich mittlerweile meistens ganz wohl damit, wie es heute ist. Ich denke, ich habe  meine Energienischen gefunden. Mein Garten, der sich seit unserem Einzug vom ungepflegten Dschungel in ein farbiges und spannendes Chaos verwandelt hat. All die Dinge, die aus dem, was draussen wächst, dann in meiner Küche entstehen. Das Backen - täglich frische Brot, Kuchenkreationen. Das Gestalten unseres gemütlichen und farbenfrohen Daheims. Und natürlich dieser Blog. Und ich bin berührt und stolz, wenn mein Liebster von all dem schwärmt. Wenn er beim Essen erzählt, dass das Paniermehl aus eigenem Brot gemacht wurde, der Salat, den wir gerade verspeisen, der erste aus dem eigenen Garten ist und, das feine Pesto ebenfalls aus meiner Küche stammt. Es ist schön zu spüren, dass ich meinen "Städter" mit all diesen Dingen packen kann und er sich ehrlich darüber freut.

 

Da sass nun mir gegenüber eine Frau in ähnlichem Alter, ebenfalls Kinder, alleine wie sie erzählte, berufstätig, unterwegs... Und irgendwie fühlte ich mich plötzlich belächelt. Es war mir unwohl, ich wurde innerlich klein und war eher peinlich berührt, wenn mein Liebster von meinen Qualitäten in Haus und Hof schwärmte. Ich war reduziert auf meine Rolle als Mama und Hausfrau und irgendwie nicht mehr in der Lage stolz darauf zu sein oder andererseits zu zeigen, dass da auch noch einwenig mehr Vielfalt ist. Ich kam mir alt, langweilig und unattraktiv vor.  

 

Es hat mich tags darauf sehr beschäftigt... Ich habe mich gefragt, warum wir Mamas uns irgendwie immer in einem Wettbewerb befinden. Warum wir so oft vergleichen, was andere alles schaffen, nur um uns selber dann kleiner und langweiliger und schwächer zu fühlen. Warum wir nicht einfach einmal anerkennen können, was andere schaffen ohne das gleich überbieten zu müssen. Oder warum wir nicht einfach zufrieden sind, wenn unser Leben vielleicht grad ruhiger und stressfreier verläuft. Ich erinnere mich, dass mich dieses Reduzieren auf ein Thema, schon irritiert hat, als ich mit dem grossen Hexlein schwanger war. Kaum war die Kugel sichtbar, fragte mich jeder lediglich noch nach meinem Befinden, nach der kleinen Schwimmerin in mir drin und sprach dann mit anderen über alles andere. Heute nun fragt man nach den Kindern, vielleicht noch, ohne die Antwort schon vorneweg zu nehmen, ob ich arbeite und für alle anderen Themen sind dann wieder andere zuständig. Stimmt, ich lese bedeutend weniger Zeitung als früher. Ich habe mir gefühlt vor 5 Jahren das letzte Mal eine Nachrichtensendung angesehen und meine Hobbys sind nun eben diese Hausfrauendinge. Trotzdem lebe ich nicht in Abgeschiedenheit, mache mir Gedanken, lese etwas nach, informiere mich und würde wahrscheinlich, wenn ich könnte, noch heute jedes Wochenende mit meinem Mann irgendwo durch die Nacht tanzen. Ich fühle mich heute nicht blöder, als vor meinen Kindern, im Gegenteil, ich bin umfassender, vielseitiger und erwachsener geworden.

 

Eigentlich ist es ja auch irgendwie logisch. Mein Mittelpunkt seit nun bald drei Jahren sind meine drei Hexlein und alles, was ich da drumherum schaffe und erschaffen habe. Und so erzähle ich eben davon. Genau so, wie mein Mann von seiner Arbeit erzählt, sein Kumpel vom Biken, der nächste von seinen Reisen... Aber es gibt Momente, da scheint alles erzählenswerter, als die langweiligen alltäglichen Mutter- und Hausfrauendinge. Da schäme ich mich irgendwie dafür, dass ich mich so gar nicht mehr bemühe von dieser Insel herunter zu kommen, auf die es mich mit dem Mama-Sein gespült hat. Ich sehe mich plötzlich irgendwo an einem Weihnachtsmarkt sitzen und selbstgehäkelte Topflappen verkaufen. Und irgendwie passt dieses Bild so gar nicht zur Vorstellung, welche ich von mir und meinem Leben habe. 

 

Irgendwie absolut doof, oder? Da schaffe ich mir verschiedenste Dinge, um mir (ja und auch anderen) zu beweisen, dass ich mehr kann als Kinder bemuttern und putzen und schlussendlich ist mir dann die Aufmerksamkeit dafür peinlich, weil mein nimmersattes Ich doch lieber ein anderes Bild abgeben würde... 

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudi (Dienstag, 09 Mai 2017 11:44)

    Drück Dich Petra...ich weiß genau was Du meinst...etwas andere Situation hier aber gleiches Gefühl im Vergleich mit anderen :(

  • #2

    Renate (Montag, 15 Mai 2017 10:24)

    Ein herzliches Hallöchen möchte ich hier lassen !!
    Ich habe Deinen Blog auf der Gartenseite gefunden und gleich mal vorbei geschaut und Dein erstes Posting vollkommen gelesen. Petra, sei stolz darauf, dass Du Deinen drei Hexlein und Deinem Mann ein so liebevolles und schönes Zuhause bietest. Das ist doch das höchste Gut, das man den Kindern geben kann - Zeit, Liebe und Geborgenheit.
    Ich kenne Deine Situation sehr gut, denn ich bin Mutter eines mittlerweile erwachsenen Sohnes und Omi und viele Menschen um mich hielten mich für eine Glucke !! Leider konnten wir kein zweites Kindlein bekommen. Ich blieb auch mit einem Kind voll zu Hause und habe mich wirklich oft wehren und rechtfertigen müssen, warum ich nicht arbeiten gehe. Lieber habe ich gespart, habe auf einiges verzichtet, kann aber heute mit Freude sagen, es hat unserem Sohn und unserer Familie gut getan, dass ich zu Hause blieb. Sei stolz auf Dich, Du brauchst Dich nicht zu verstecken, Du brauchst Dich nicht minderwertig fühlen. Deine Kinder werden es Dir danken, wenn sie größer sind und es verstehen. Ich bin überzeugt, dass es Dein Mann heute schon tut. Bleib auf Deiner Linie und ich werde jetzt öfters bei Dir vorbei schauen, denn Du bist auf meiner Wellenlänge, trotz des großen Altersunterschiedes !!
    Sei herzlich gegrüßt aus Tirol von Renate