Happy Mama-Tag

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai wird der Muttertag gefeiert. Ein Ehrentag für alle Mamas. Die Kinder basteln für ihre Mamas kleine Dankeschön-Geschenke, lernen vielleicht ein Gedicht und streiten, brüllen, keifen trotzdem wie an jedem anderen Tag. Und verstehen zumindest im Alter der Hexlein nicht wirklich, was den das soll. Schliesslich hatte Mama schon Geburtstag und Weihnachten ist auch noch nicht. In meinem Mail-Posteingang "stapeln" sich Werbemails mit dem lockenden Versprechen, mir heute verschiedenste Rabatte zu gewähren. In fast allen Facebook-Gruppen wechseln sich gute Wünsche zum Muttertag mit gehässigen Diskussionen über den Sinn und den Unsinn des Tages überhaupt ab und enttäuschte Mamas liefern sich beinahe kriegerische Auseinandersetzungen mit all jenen, welche diesen Tag so gar nicht besonders finden.

Schon 250 Jahre vor Christus wurde eine Art Muttertagsfest gefeiert und dabei römische und griechische Göttinnen gefeiert. Im mittelalterlichen England wurde um 1644 der "Mothering Day" - in seinem Ursprung Feierlichkeiten zu Ehren von Mutter Kirche - verfestigt. An diesem Sonntag besuchten alle Kinder ihre Mütter und brachten kleine Geschenke und den selbst gebackenen "Mothering Cake" mit.

Die Pionierin des heutigen Muttertags aber war die Amerikanerin Anna Jarvis. Nach dem Tod ihrer Mutter am 8. Mai 1905 wollte Anna Jarvis erreichen, dass alle Mütter noch zu Lebzeiten geehrt werden. Sie setzte sich dafür mit allen Mitteln ein - sie bat ihren Pfarrer eine Predigt über die Rolle der Mutter in der Gesellschaft zu halten, schrieb Briefe an Geistliche, Politiker und andere einflussreiche Männer. Sie kaufte sogar eine Werbeagentur und brachte ihre Botschaft - "Schafft den Ehrentag der Mutter - setzt diesen Frauen ein unvergängliches Denkmal" - unter die Menschen. Bereits 1907 hatte sie ihr Ziel erreicht und der zweite Maisonntag wurde offiziell zum Muttertag erklärt. Seit 1917 gibt es den Muttertag in der Schweiz. (Immerhin, man bedenke, dass die Mutterschaftsversicherung erst 2005 in Kraft trat.)

Hmm... Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht, wie ich denn nun zu diesem Mama-Ehrentag stehe. Schliesslich bin ich nun ja seit bald fünf Jahren Mama und somit betrifft es mich jetzt auch.

Meine Hexlein verstehen wohl alle drei noch so überhaupt nicht, was es mit dem Muttertag so auf sich hat. Sie haben mir zwar alle stolz ihre in Kinderkrippe und Spielgruppe selbstgebastelten Geschenklein überreicht, aber warum sie das tun, war ihnen völlig unklar. Und, dass der Papa morgens aus dem Haus gestürmt ist und mit einem grossen Blumenstrauss zurück kam, interessierte sie lediglich darum, weil sie nicht wollten, dass der Papa irgendwohin geht. Ich stand derweil - brüllende Hexlein zu beruhigen versuchend - in der Küche, um einen Kuchen für den nachmittäglichen Besuch bei Schwiegermama zu backen. Ein Tag wie jeder andere also, an dem ich mittags noch immer im Pyjama durchs Haus laufe, schon mindestens 20 Streitigkeiten geschlichtet habe, 2 Beulen gekühlt, 15 Mal Tränen getrocknet, 2 Mal den Geschirrspüler aus und wieder eingeräumt habe, die Waschmaschine läuft, die Rotznasen auch, die Krümel auf dem Küchenboden an meinen nackten Füssen kleben bleiben (und mich das unglaublich nervt!),... 

Ich finde ihn schön, den Muttertag. Und zwar, weil die Gesellschaft einen Tag im Jahr die Mütter und all ihre Arbeiten so ganz öffentlich im Blick haben. Nicht, weil meine Kinder (vielleicht in ein paar Jahren) einen Tag lang darauf hingewiesen werden, was Mama alles macht und ihr dafür auf Kommando dankbar sein sollen. Auch wenn ich mich natürlich von Herzen über die süssen Basteleien freue! Ich bin ganz froh, dass meine drei den Sinn des Muttertages noch nicht verstehen und so vielleicht auch an all den anderen 364 Tagen ganz aufrichtig und ganz von sich aus ihre Dankbarkeit zeigen. Das tun sie nämlich, immer wieder, manchmal kaum erkennbar...
Und sollte ich nächstes Jahr den Muttertag feiern wollen und als auch meinen Ehrentag verstehen, dann werde ich das tun, was ich auch für meinen Geburtstag plane - wegfahren und einen Tag für mich alleine verbringen! Denn dann habe ich die Garantie, dass es einen Tag gibt, der nicht allen anderen Tage gleicht und wer weiss, vielleicht sind die Hexlein (und mein Liebster) abends dann wirklich dankbar, dass ich (wieder) da bin und haben erkannt, was ich den ganzen Tag eigentlich tue. Von Herzen, aber nicht selbstverständlich!

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