Hauptberuflich Mutter und Hausfrau...

"Viele moderne, gleichberechtigte Paare gehen in den Kreissaal und kommen in den 50er-Jahren wieder heraus." Aller Vorstellungen, Wünsche und Ambitionen zum Trotz und entgegen aller Kampfbereitschaft und Stärke der Frauen, sich gegen das traditionelle "Mutter-Hausfrau-Herd"-Modell zu wehren, verschwinden zahlreiche junge und gutausgebildete Frauen mit ihrem ersten Kind von der beruflichen Bildfläche und kümmern sich fortan Vollzeit um Dreckwäsche, Kindererziehung, Putzmittel und gesunde Ernährung. Manchmal steht dahinter der innige Wunsch, das Gefühl von Selbstverwirklichung in dieser neuen Rolle. Weit öfter, glaube ich, die Situation und ganz einfach die Vernunft.

 

Mir ist das genau so auch passiert. Nach harterkämpfter Ausbildung im Berufsleben fest angekommen und absolut überzeugt, am richtigen Ort zu sein, rückte der Kinderwunsch, die Sehnsucht nach einer Familie irgendwie etwas in den Hintergrund und mein Ich verwirklichte sich über den Beruf. Manchmal unkonventionell, durchaus gut und mit Anerkennung gestreichelt, fühlte ich mich absolut am richtigen Platz und sehr zufrieden. Meine beruflichen Erfolge definierten nicht gerade meine Persönlichkeit, aber sie machten einen grossen Teil meines Selbstbildes aus. Die Vorstellungen der Zukunft zeigten stets Kind und Beruf kombiniert, so deutlich und klar, dass ich gar nie weiter darüber nachdachte.

 

Und dann kam es dieses Kind und dann zwei weitere und schnell einmal wurde mir zumindest unbewusst klar, dass spätestens mit mehr als einem Kind die Vorstellung meiner Zukunft eine Revision benötigt. Rascher, als das Herz nachvollziehen konnte, musste die Vernunft Entscheidungen fällen und da Mutterschaft nicht einfach gekündigt werden kann, musste der Beruf über die Klippe springen. Und da war ich dann also angekommen, in einem traditionellen Familienmodell, welches die vergangenen zehn Jahre in meinen Vorstellungen so gar keinen Platz gefunden hatte. Eine Tatsache, welche mich einiges an Selbstbewusstsein und vor allem immens viel Arbeit kostete, mein neues Ich zu (er-)finden und mich darin wohl zu fühlen. Auch, weil man diese Arbeit an sich selbst nicht alleine oder zumindest nicht unabhängig von anderen tut. Einerseits sind da nun diese kleinen abhängigen Wesen, welche mit ihren Bedürfnissen und unerwartet auch bereits von klein an mit ihren Persönlichkeiten stets an erster Stelle stehen. Die eigenen Emotionen und Bedürfnisse werden abhängig von denen der Kinder. So sehr man eigentlich mit sich selbst beschäftigt wäre... Ist das Baby hungrig, wütend oder grad sehr bedürftig nach Nähe und Körperkontakt, hat man sich dem umgehend anzupassen, ganz egal ob man selber gerade müde oder traurig oder lieber alleine wäre. Andererseits leben wir oft in einer Beziehung, mit einem Menschen, der uns vor unseren Kindern kennen gelernt hat, lieben gelernt hat und der sich einerseits selber an die neuen Bedingungen, aber auch an sein Gegenüber unter diesen neuen Bedingungen anpassen muss. Irgendwie erscheint es mir gerade immer logischer und nachvollziehbarer, dass ganz viele Beziehungen nach der Geburt eines Kindes scheitern oder anders formuliert, ich verspüre gerade eine grosse Dankbarkeit und auch einen gewissen Stolz, dass uns das bisher trotz nicht zu unterschätzender Veränderung und Belastung ganz gut gelungen ist. Es ist eine immense Aufgabe, sich genügend Zeit und Raum zu organisieren für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst, in diesem ganzen alltäglichen Fokussiertsein auf die Gefühlswelt der Kinder und gleichzeitig auch den Blickwinkel des Partners im Auge zu halten und sich darüber auch regelmässig auszutauschen. Denn, die Chance, dass irgendwann in diesen ganzen Prozessen nicht mehr kompatibel ist, was eines wie Faust aufs Auge passte, erscheint mir ohne regelmässiges Update sehr gross. Schön, wenn ich mich in meinem Mutter- und Hausfrauendasein neu erfunden habe. Doch kann ich wohl nicht einfach voraussetzen und erwarten, dass der Mann, welcher sich in die spontane, ausgeglichene und erfolgreich im Berufsleben stehende Frau verliebt hat, nun auch für die strukturverliebte, oft launische Mutter und Hausfrau die selben Gefühle hegt.

 

Aus meiner Sicht viel zu lange habe ich nun gehadert damit und darunter gelitten, bloss noch Hausfrau und Mutter zu sein. Alles schien sich kontinuierlich zu reduzieren. Geld auf dem Bankkonto, die Anzahl der Stunden Schlaf pro Nacht, die Zeit für mich selber, Freunde und überhaupt Sozialkontakte, Zeit zu Zweit, meine Selbstachtung, Anerkennung von anderen... Irgendwann dann kam der letzte Fall vor dem Wiederaufstieg. Der Moment nämlich, als ich endgültig realisierte, dass sich daran, wie es jetzt ist, so schnell auch nicht etwas ändern wird. Und da, von einem Tag auf den anderen wurde mir plötzlich klar: Nicht hadern, nützen! Hauptberuflich Mutter und Hausfrau zu sein bedeutet nämlich:

 

Ich bin frei!!!

 

Ich entscheide, wann welche Haushaltstätigkeiten erledigt werden (oder halt auch nicht). Ich kann jeden Tag kochen, worauf ich Lust habe. Ich kann mittags noch im Pyjama durchs Haus spazieren und fast jeder kann das verstehen. Ich kann fast jeden Tag spontan entscheiden, was wir heute tun. Da gibt es keine Abgabetermine, keine Lieferfristen, keine Qualitätskontrolle... Ich bin mein eigener Chef und selten auch einmal der meiner Hexlein. Ich kann tun und lassen, was ich will. Ich habe Lust auf Garten? Also los! Ich möchte einen Kuchen backen? Klar, die Hexlein schlecken noch so gerne die Schüssel aus. Ich habe keine Lust zu duschen? Egal, daheim stört das niemanden. Und daneben ist ganz viel Raum (wenn auch sehr selten Zeit) mich einfach selber zu verwirklichen. Ich gärtnere, ich bastle, ich koche, ich blogge und hinter all diesen Dingen steht keinen Druck, dass es so gut sein muss, dass ich damit mein Leben finanzieren kann. 

 

In Zukunft also werde ich mich gerade hinstellen, Bauch rein, Busen raus (oder irgendwie umgekehrt ab einem gewissen Alter und einer gewissen Anzahlt Kindern, aber egal) und mit hoch erhobenen Hauptes sagen: Ich bin hauptberuflich Mama und Hausfrau. Daneben Gärtnerin, Gemüsebäuerin, Konditorin und Bäckerin, Gartenbauerin, Leckereien-Zauberin, Kreativmanagerin, Clown, Innenarchitektin, Schreinerin, Bloggerin,... Und irgendwie fühlt sich alles so wieder viel mehr nach "selber gewählt und selber entschieden" an. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Donnerstag, 15 Juni 2017 15:55)

    that's it...schön geschrieben...I wish you...in diesem Sinne...a lot of great moments...

  • #2

    susan ponti (Donnerstag, 15 Juni 2017 20:21)

    du hast vergesse ...:
    gut zuhörerin, freundin, kaffeköchin und gipfeli-brösmeli-mal6-aufwischerin ♥️