Eine neue Ära beginnt...

Das grosse Hexlein ist gerade das allerletzte Mal in der Spielgruppe heute. Und die Twinhexlein verbringen während dessen ihren drittletzten Tag in der Kinderkrippe. Dann, nach fünf endlosen Wochen Sommerferien - vor denen mir im Übrigen schon fürchterlich graut - starten wir in eine neue Ära. Das grosse Hexlein wird in ihr erstes Kindergartenjahr eintreten und unsere Familie sich somit künftig der Diktatur des Schulsystems unterwerfen müssen und die beiden Kleinen werden das Kita-Leben hinter sich lassen und freuen sich auf die Waldspielgruppe. Ich schaue der ganzen Sache sehr skeptisch entgegen... Nicht etwa, weil es mich dauert, dass die Hexlein so schnell (das empfinde ich nämlich stets nur rückblickend so) gross werden, sondern weil ich künftig wieder fünfmal Mittagessen kochen werde, keines meiner Kinderlein einen kompletten Tag ausser Haus sein wird und ich solch manchmal lästige Themen wie "Dauerbespassung" und "Iss-bitte-auch-einmal-Gemüse!" wieder vollständig selber übernehmen muss. Ja, so eine Kita ist doch wirklich praktisch... Nun gut, immerhin habe ich bald ungefähr 40`320 Minuten Zeit haben zu üben. Oje, Sommerferien dauern wirklich lange.

 

Abgesehen von dieser kleinen einschränkenden Tatsache leide ich sogar nicht unter dem Umstand dieser Veränderung. Im Gegenteil... Während rund um mich herum sich Mamas mit Tränen in den Augen von der Spielgruppenzeit verabschieden und darüber sinnieren, wie fürchterlich schnell die Kinder doch gross werden, verspüre ich eine gewisse Freude, einen Stolz, eine Erleichterung... Das Gefühl ähnelt dem, als mein Schreihexlein endlich die ersehnte Dreimonatsschwelle erreichte oder als das erste Jahr mit den Zwillingen überstanden war. Nicht, dass dann damit alles besser geworden wäre, aber das Gefühl des Vorangekommenseins alleine genügte.

 

Ich bin also so gar nicht in Abschiedsstimmung, sondern bin erleichtert und Stolz über dieses Etappenziel. Eine weitere Etappe hin zum Auszug der Hexlein geschafft. Nun noch zweimal Kindergarteneintritt, dreimal Schuleintritt, dreimal Berufswahl und ich habe es geschafft. (Und keine Bange, spätestens dann werde ich heulend in der Türe stehen und mich zurück in die Baby- und Kleinkindjahre sehnen...)

Ja, das Ding mit den Wurzeln und den Flügeln... Das mit den Wurzeln kam irgendwie automatisch mit all den postgeburtlichen Hormonen. Das mit den Flügeln musste ich lernen. Ich erinnere mich genau, wie beleidigt und verletzt ich war, als das gerade mal knapp sprechfähige grosse (damals noch sehr kleine) Hexlein meinte: Mama, Chlippäflauä hani liebä als Mama. Spätestens als die Twinhexlein mit ähnlichen Gedankengängen um sich warfen, war ich nicht mehr verletzt, sondern stolz! Denn ich werte es heute als untrügliches Zeichen dafür, dass die Wurzeln tief und stark sind und ich meine Mädchen erfahren lassen konnte, dass gerade Kinderherzen gross genug sind, um ganz viele Menschen darin einzuschliessen. Und, dass sie stark und selbstsicher genug sind, sich auch ohne die permanente Anwesenheit ihrer Eltern aufgehoben und umsorgt zu wissen. Vielleicht ist es das, was mich diese Übergänge nicht als Abschiede erscheinen lässt, sondern mich vertrauensvoll mit Stolz erfüllt und mich meine Hexlein mit Freude den nächsten Schritt in die Selbstständigkeit ziehen lässt.

 

Das Ding mit dem Loslassen... Googelt das mal. Habe ich gerade gemacht und dabei bin ich fast ausschliesslich auf Artikel gestossen, worin es um ältere Kinder geht. Also schon fast erwachsene Kinder. Dabei fängt doch das Loslassen schon ganz früh und ganz im Kleinen an. Ich musste lernen, nicht mehr alle drei Minuten ins Wohnzimmer zu rennen, während die drei da spielen und ich koche. Sie alleine im Spielzimmer im unteren Stock spielen zu lassen, während ich oben das Bad putze. Sie auf dem Spaziergang einfach rennen zu lassen, auch wenn das ganz oft mit aufgeschlagenen Knien endet. Das grosse Hexlein beschloss mit vielleicht dreieinhalb Jahren, dass sie alleine zur Kita laufen wolle. Ok, das konnte ich ihr nicht erlauben, zwei Busstationen wären dann doch etwas zu weit. Aber kleine Schleichwege auf dem Heimweg und die kleine Lady war stolz wie Oskar. Wurzeln sind gut, Wurzeln sind wichtig, wenn nicht existenziell. Aber mindestens genau so wichtig sind Flügel. Frühe Flügel. Kleine Meisen wagen meist ungefähr drei Wochen nachdem Schlüpfen ihre ersten Ausflüge. Schaffen sie es nicht zurück ins Nest, werden sie auch am Boden von ihren Eltern weiterversorgt. Nochmals zwei bis drei Wochen später erst ziehen sie endgültig aus. Keine Scheu und keine Bange also, unserem kleinen Nachwuchs schon erste Flügelchen anzupassen. So schnell fliegen sie uns nicht davon und im Gegensatz zu den Meisen können wir unsere "Vögelchen" auch wieder zurück ins Nest holen...

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