Zwischen mir und dem Gefühl von Freiheit

Da bin ich nun also... Hexleinlos, mit der Sonne im Gesicht und Kaffee Nummer zwei in der Hand. "Momente - Jeden Tag ein paar Momente der Stille, Raum für eigene Gedanken und Träume." steht da sinnigerweise auf meiner Kaffeetasse. 

 

Hmm... Die Erwartung, dass ich diese Momente täglich haben kann, musste ich rasch nach dem Gebären des ersten Hexleins irgendwie abstellen. Als sich dann der Gedanke an etwas freie Zeit nicht mehr so "daneben" anfühlte, kamen die Twinhexlein und sämtliche Träume von Ruhe und Zeit für mich wurden im  Fach "Absurdum" abgelegt. Da können diese Mistdinger allerdings ständig entkommen und führen mitunter dazu, dass ich nachts schlaflos durchs Haus geistere und glückselig die Ruhe registriere.

 

Aber auch zu anderen Tageszeiten gibt es sie nun wieder - sehr selten und rasch gezählt - aber tatsächlich existent. Momente der absoluten Ruhe...

 

Und alles andere ist Quatsch!!! Weil zwischen mir und dieser früheren Freiheit der Gedanken nun mein auf Hexleinalltagschaos getrimmtes Ich liegt:

  • Wäscheberge, schmutziges Geschirr, nach Hexleinsystem verstreute Spielsachen, Staubflusen, Katzenhaare, fleckige Fensterscheiben, durstige Pflanzen,... Das tägliche Business eben. Wie sehr wünschte ich mir die ausserordentliche Begabung meines Liebsten all das einfach ausblenden zu können und mich im Meditationsmodus einfach Mitten ins Chaos setzen zu können. Liegt es vielleicht daran, dass meine freie Zeit so eingeschränkt ist? Aber kaum hexleinlos tickt meine innere Uhr - nein, nicht die hormonelle - die Uhr des Pflichtbewusstseins und das Putzteufelchen in meinem Gehirn schreibt im Akkord To-Do-Listen. Arschloch!!!
  • Und schon kommt es wieder zum Vorschein, das zweite Teufelchen. Das schlechte Gewissen redet auf mich ein und wirft mir vor, nun ich gerade so friedlich und gemütlich mit Kaffee und Zigarette die Sonne geniesse, damit doch nur Zeit zu verschwenden, die ich gefälligst jetzt mit dem Haushalt zu nutzen hätte, damit ich mich dann am Nachmittag mit den Hexlein beschäftigen könne, weil sie ja schliesslich meine Aufmerksamkeit benötigen würden und verdient hätten und... Die Betten sind gemacht, der Geschirrspüler läuft, das Mittagessen ist geplant, WC und Bad habe ich gestern geputzt... entgegne ich wütend. "Und Du denkst jetzt wirklich, Du bist fertig?" lacht das Gewissen mich dreckig aus. "Los, Mutter, beweg Deinen faulen Hintern..." Ausser einem schwachen "Aber" habe ich nichts mehr dagegen zu halten und ich stehe auf. Weil...
  • Ich ein schon fast krankhafter Perfektionist bin! Am Liebsten würde ich alles gleichzeitig und sofort erledigt haben. Und zwar perfekt! Ich kann nicht einschlafen, wenn die Küche nicht aufgeräumt ist, wenn ich das Bad geputzt habe, ärgere ich mich, wenn die Hexlein ihre Hände waschen und muss danach sofort das Waschbecken wieder trocknen. Ich könnte meinen Liebsten erwürgen, wenn er Brot auf der Anrichte schneidet und dann überall die kleinen fiesen Krümel liegen. Lassen wir das Aufzählen... Durch mein Gehirn spazieren Vorstellungen eines perfekt geputzt, aufgeräumten und dekorierten Wohnzimmers, tanzen To-Do-Listen gemeinsam mit dringend zu erledigenden Rechnungen und machen sich dazu noch Armeen von kreativen Ideen breit. Alle wollen sie zuerst an die Reihe kommen und in den Olymp der perfekt erledigten Dinge aufgenommen werden. Während sie sich streiten, versuche ich eine sinnvolle Prioritätenliste zu erstellen...
  • weil ich bin hoffnungslos verfallen. Routine und militärische Organisation gehören seit ich Kinder habe - zumindest seit sie alle drei da sind - zu meinen Überlebensstrategien. Ohne diese beiden Dinge würde ich elendig im Chaos untergehen. Haha, ich erinnere mich nur noch ganz wage daran, dass ich "Spontanität" und "Flexibilität" einst bei Vorstellungsgesprächen als grosse Stärken präsentiert habe. Ja, krankes Köpfchen, das meine... Es will, es will Vieles und Alles und sofort. Bitte aber perfekt, gell. Nein, wirklich perfekt! Zuviel? So ein Quatsch, musst es nur sinnvoll ordnen. Ist doch keine Sache! Also wirklich, Petra. Andere Mütter schaffen das dann übrigens auch alles. Lies doch mal, die saugen täglich Staub, einmal die Woche Bad putzen ist übrigens "gruusig" und die Hexlein könnten also schon etwas mehr frische Luft vertragen...
  • Sei gegrüsst Überforderung! Warst Du nicht erst gestern schon da? Deine täglichen Besuche nerven... "Nun, ich wollte Dir nur gerne nochmals sagen, dass das einfach und definitiv zu viel ist, das kannst Du niemals alles in der Zeit und so perfekt erledigen. Selbst weniger perfekt, keine Chance... Vergiss es! Gib einfach auf, Petra. Lauf doch einfach weg..."
  • So und nun kommt die Phase des "heulenden Elends". Der unangenehmste Teil der ganzen Angelegenheit. Eingeständnis ist der beste Weg zur Besserung - mag sein - gilt aber nicht hierfür. Und Weglaufen, das ging vielleicht früher... Perfektion bis zum Chaos und dann duck und weg. Zu dumm manchmal, dass die Hexlein schon laufen können...

Und voilà, die zwei Stunden sind vorüber... Schon? Die Uhr hat wohl zu leise getickt... Die Wäscheberge sind noch immer gleich hoch, das Geschirr brüllt aus der Geschirrspülmaschine, die  Spielsachen sind noch immer da, die Staubflusen und Katzenhaare auch, zum Glück für die Fenster scheint die Sonne nicht mehr und die Pflanzen lechzen mit hängenden Blättern nach dem erlösenden Wasser... Uih, Mittagessen kochen, egal, gibt es wieder Pizza vom "Pizza-Mann". 

 

Immerhin... Nachgedacht habe ich... Und nächsten Donnerstag also auf ein Neues. Neuer Donnerstag, neues Glück. Cheers, ich proste mir selber mit dem mittlerweile kalten Kaffee zu. So trinke ich ihn schliesslich fast immer, Routine eben.

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