Diese Sache mit dem "Schnäggeloch"

oder: Warum ist Willi eigentlich niemals müde...

 

 

Dr Hans im Schnäggeloch

Dr Hans im Schnäggeloch
Het alles, was er wott
Dr Hans im Schnäggeloch
het alles, was er wott.
Und was er wott, das het er nid
Und was er het, das wott er nid
Dr Hans im Schnäggeloch
Het alles, was er wott.

Ein sehr bekanntes Kinderlied, dieser Hans und sein Schneckenloch... Und nicht nur das Lied ist bekannt, sondern auch dieses Ding mit dem Wollen und Nichtwollen und Dochwollen und Sofortwollen und... Vor allem für kleine Hexlein scheint der Hans ein grosses Vorbild zu sein, eifern sie ihm doch tagtäglich mit unermüdlich nach, begleitet wie ein Schatten vom niemals energielosen unsichtbaren Freund Willi. Und weil sie das Wollen-Ding schon so perfektioniert haben, setzen sie dem ganzen gleich noch was oben drauf und erweitern die Geschichte ungefähr so:

 

Dr Hans im Schnäggeloch

Het alles, was er wott

 

Dr Hans im Schnäggeloch 

wott alles, was de ander het.

 

Willi scheint meistens schon vor den Hexlein wach zu sein, zumindest ist er bereits vom ersten Ton aus dem Kinderzimmer an absolut präsent, fit und munter. So will man also erst ein Kleidchen, dann doch lieber einen Pullover und am Liebsten will man den, den sich gerade eben die Schwester ausgesucht hat. Und hat man ihn dann, dann will man ihn doch nicht mehr, sondern dann doch wieder ein Kleidchen, aber nicht das, was man vorher wollte. Was Mama möchte, will man sowieso prinzipiell nie. Bis Mama aufgibt und Klein bei gibt, dann will man schon wieder. Und man will sofort und jetzt und gleich.

 

Ich weiss nicht, ob der Hans einfach resigniert da sitzt und nicht weiss, was er will oder eben doch will oder wollen soll... Die Hexlein auf jeden Fall sind in diesem Stadium noch nicht angekommen. Jedes Wollen und jedes Nichtwollen und jedes nicht umgehend eingehen auf ein Wollen oder Nichtwollen wird im Minimum mit Gejammer, in der Regel aber mit ohrenbetäubendem Gebrüll quittiert und verdeutlicht. Zudem könnte man ja der Schwester den gewünschten Pullover auch einfach - selbstverständlich ohne Rücksicht auf Verluste weder seitens des Pullovers noch seitens der Schwester - aus der Hand reissen wollen. Weil das, das würde die Mama sicherlich nicht wollen und darum will man es natürlich umso mehr. Das verdoppelt dann das Gebrüll natürlich, weil nun nicht nur die brüllt, die den Pullover will, sondern auch die, die ihn nicht hergeben will und vor lauter Wollen der Schwester gegen ihren Willen gegen den Kleiderschrank geknallt ist. Das wiederum will natürlich gerächt sein.

 

Nun schaue man auf die Uhr und merke, dass seit Beginn des Wollens - also seit dem Erwachen - gerade einmal knapp fünf Minuten vergangen sind. Es folgen also bis abends, wenn der Tag mit Nicht-Ins-Bett-Wollen und Nicht-diese-Geschichte-wollen und... (oder der Umkehr des ganzen) endlich endet, noch unendlich viele Situationen des Wollens und Nichtwollens folgen werden. Und will man im Verlauf dieser Stunden vielleicht doch per Zufall einmal was Mama möchte, dann ist da ja noch Willi...

 

Im Gegensatz zu Willi braucht Mama eine Pause und ich weiss ganz genau, was ich will. Ich will dieses Schneckenloch! Und zwar jetzt und sofort und für laaaange Zeit. Ich ändere auch  meine Meinung nicht, ganz bestimmt nicht. Ich will dieses Schneckenloch, mich darin verkriechen und einfach meine Ruhe haben. Ich will nicht kochen, nicht schimpfen, nicht aufräumen, nicht putzen, nicht spielen, nicht trösten, nichts unternehmen. Ich will einfach nur in dieses Schneckenloch! Und raus käme ich übrigens - wenn überhaupt - ganz langsam, wie man eben aus einem Schneckenloch kriecht. Vorsichtig, die Fühler ausgestreckt und bei jedem Wollen (oder Nichtwollen oder Wollenauchimmer) würde ich mich gemächlich wieder zurück ziehen.

 

Und die Moral von der Geschicht, Mama leider ein Nacktschneck ist. Und der Willi mit der Scher, ist fleissig hinter ihr her.

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