Drei Jahre Zwillingsmama - Zeit für ein Resümee

HAPPY BIRTHDAY liebe Twin-Hexlein!!! Schulterklopfen Mama!!! Drei Jahre Zwillingsmama, drei Jahre dreifache Mama. Drei Jahre voller Freude, Sorgen, Lachen, Brüllen, Chaos, Hektik, verbrauchter Nerven, Farbe,... Zeit für ein Resümee.

Vor drei Jahren begann eine neue Zeitrechnung. Und irgendwie fühlt es sich rückblickend tatsächlich ein bisschen an, als wäre ich durch die Zeit gereist und ganz anderswo gelandet. Die Umstellung von Teilzeit arbeitenden Einkind-Mama zur Hausfrau und 24-Stunden-Mutter von der kleinen Hexlein war heftig und all diese Dinge, in denen ich mich nun als nicht mehr Neu-Mama bereits erfahren und geübt wähnte, waren wieder völlig anders. Von Vorne also und diesmal auf höchstem Anforderung-Niveau.

 

Füdliblutt ausgefragt

Sich mit Zwillingen in der Öffentlichkeit zu bewegen, lässt einem Starerfahrungen sammeln. Sozusagen jeder wildfremde Mensch schaut - von interessiert über entsetzt bis anerkennend - fasst an und in den Kinderwagen und notfalls stellt sich die Baby im Doppelpack gierige alte Dame einfach vor das Gefährt und verhindert geschickt das Weiterfahren. Bevor man verdauen konnte, dass man - immer noch fett wie ein Wal, dauerübermüdet und dementsprechend hübsch anzusehen - von allen Seiten betrachtet wird - findet man sich in ein äusserst intimes Gespräch verwickelt. Denn Zwillinge scheinen magische Wirkung zu haben. In der Anwesenheit von Baby-Zwillingen lösen sich Hemmschwellen sämtlicher Umstehender urplötzlich in Luft auf. Hier eine kleine Auswahl meiner liebsten Fragen und (zumindest im Nachhinein gedachten) Antworten...:

  • Oje, sind das Zwillinge? - (Man registriere das "Oje", welches in der Regel gesprochen oder mindestens in Mimik und Tonlage angedeutet wird.) Nein eigentlich Drillinge, das Hässliche lasse ich meistens zu Hause...
  • Zwei Buben, oder? - Ja eigentlich schon, aber weil wir lieber Mädchen gehabt hätten, gewöhnen wir sie mit ausschliesslich rosa und pinkigen Kleidern schon mal an ihre spätere Geschlechtsumwandlung!
  • Die waren aber nicht geplant, oder? - Nein, wir wollten Drillinge. Und obwohl wir konsequent jedes Mal dreimal hintereinander Sex hatten, gab es nur Zwillinge. Wir sind sehr enttäuscht.
  • Sind die natürlich? - Nein, ich habe sie aus Ton modelliert. Und weil ich ganz genau weiss, was Sie eigentlich fragen wollen: Jaaaaa, ich hatte Seeeeeex!!!
  • Sind sie eineiig? - Wie gesagt, es sind Mädchen, sie haben keine Eier! 
  • Können Sie sie überhaupt auseinander halten? - (Nun folgt ein enttäuschtes Gesicht, wenn ich die Frage mit Ja beantworte...)
  • Sicher ein Kaiserschnitt, oder? Und wahrscheinlich nicht gestillt? - Und Sie, sind Sie schon inkontinent. Oder möchten Sie gerne meine Kaiserschnittnarbe sehen? Meine schönen Brustwarzen?

Eigentlich bewunderten alle den Kinderwagen...

Kaum ist man mit Zwillinge ohne Kinderwagen unterwegs, wird die Aufmerksamkeit kleiner respektive reduziert sich auf Einmischen, verärgert und genervt sein. Jetzt sind sie nicht mehr süss und ein Gespräch über Intimitäten und Zwillingskuriositäten mit der Mutter eh nicht mehr möglich, sondern lästig, gefährlich, wild und unfolgsam. Nun, Mama hat nur zwei Hände, der Erforschungsdrang kleiner Kinder ist unerschöpflich und grenzenlos und die ganze Welt rundherum manchmal fürchterlich intolerant.

 

Bemitleidenswert, verrückt oder einfach sehr unwissend...

Wir haben ja auch noch das grosse Hexlein, also drei Kinder. Das stellt der neugierige Mensch meistens sehr schnell fest oder ich lege ihr irgendwann mit einer Mischung aus Stolz und Genervtsein den Arm um die Schultern und teile mit, dass dieses Kind mir ebenfalls gehört. Nun bin ich entweder:

  • im Sexualkundeunterricht am Fenster gesessen und unfähig Verhütungsmittel richtig zu verwenden;
  • vollkommen verrückt oder;
  • einfach nur schrecklich bemitleidenswert.

Da das ungehemmte Gegenüber dann ja rasch begriffen hat, dass Zwillinge nicht planbar sind und da schon eines war, bevor sie zu zweit kamen, gehöre ich offenbar zur Kategorie: Einfach nur schrecklich bemitleidenswert. Weil, der normale Mensch hat höchstens zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Fertig. Alles andere ist Wahnsinn! Den man aus Dummheit selber wählt oder aufgrund schrecklicher Fügungen hinein gerät.

 

Wir haben - zum Geschlechterausgleich - noch einen Kater...

Einen kastrierten Kater... Und übrigens, in unserer Umgebung ist Mitgift nicht mehr üblich und darum machen wir uns eigentlich nicht so grosse Sorgen... Zumindest sind wir nicht so entsetzt, wie das nette Gegenüber, welches unsere drei Mädchen zählt und dann - ganz intelligent - feststellt, dass da ja kein Junge ist. Man fühlt sich fast verpflichtet sein Gegenüber zu trösten... Welches übrigens ganz mitleidig den Herrn Papa der Hexlein-Schar erwähnt oder ansieht. Ich denke derweil mit Panik an die bevorstehende Pubertät mal drei und daran, wie lieb ich meine Mutter in dieser Lebensphase hatte... Vielleicht doch noch Drillinge, Jungs...

 

Es wird anders, ja...

Aber es bleibt definitiv anstrengend! Jedes Mal, wenn mann Baby-Zwillinge die drei Stockwerke von Haustüre zu Wohnungstüre schleppt, sich verwirrt zu überlegen versucht, wie man zwei Babies, ein Kleinkind, eine vollbepackte Wickeltasche die Treppe runter bringen soll - um Einkaufen zu gehen - bloss um dann gleich wieder aufzugeben, weil für Einkäufe grösser als ein Pack Kaugummi ist eh kein Platz mehr oder wenn man erst Baby 1 ins Bad schleppt, während Baby 2 im Wohnzimmer brüllt, dann Baby 2 ins Bad holt, während Baby 1 im Bad brüllt - bloss um das Ganze, nachdem man auf der Toilette war, wieder umgekehrt zu tun... sehnt man ich nach dem Moment, wenn sie dann endlich laufen können. Weil dann wird alles einfacher! Bestimmt! Hahaha, vielleicht solange sie noch nicht frei gehen können und aus Gleichgewichtsgründen gezwungen sind, Deine Hand zu halten. 

 

Hoch zwei ist nicht gleich eins plus eins

Ich muss es nochmals sagen... Zwillinge sind nicht gleich zwei Kinder! Vorab, ich habe grosse Hochachtung vor allen Müttern, egal mit wie vielen Kindern, mit was für Kindern, in was für Situationen. Aber seid so lieb und lasst es, mich zu verstehen, bloss weil Euer erstes Kind noch kein Jahr alt war, als bereits das zweite kam. Das ist sicher anstrengend.

Aber ich sehe dauernd doppelt! Zwei Babies heben sich nämlich nicht gegenseitig auf. Und auf den Moment, in dem es sich lohnt, Zwillinge zu haben, weil sie sich so schön miteinander beschäftigen oder... auf diesen Moment warte ich seit drei Jahren. Die ersten Jahre ihres Lebens scheinen sie damit zu verbringen, jede normale Entwicklungsphase gegenseitig zu verstärken. So trotzt man hier nicht nur doppelt, sondern potenziert. Und wieder denke ich mit panikartigen Gefühlen an die bevorstehende Pubertät und daran, dass ich dann gleich drei Mädchen haben werde, welche sich in der ungefähr gleichen Phase befinden...

 

Mütter sind erstaunlich anpassungsfähig

Schon ein Kind bedeutet eine grosse Umstellung und erfordert eine augenblickliche und erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Mutter. Mit Zwillingen wird ein Grad an Anpassung nötig, welcher ich mir vorher kaum vorstellen konnte. Es fängt in der Schwangerschaft an, wenn sich der weibliche Körper ohne zu platzen in schier undenkbare Masse ausdehnt. Dann bringt die Zwillingsmama rasch diese Kinderlein zur Welt und kehrt praktisch am gleichen Tag in den Alltag zurück. Wochenbett geht vielleicht mit dem ersten Kind, aber definitiv nicht mehr beim zweiten oder bei Zwillingen oder bei Kindern auf der Neonatologie. Jetzt beginnt die Phase des Muskeltrainings. Zwei Babies Treppe hinauf und Treppe runter tragen, zwei Babies in den Schlaf schaukeln und irgendwann stösst man 30kg Kind im Kinderwagen den Berg hinauf. Gleichzeitig ist fertig mit Schlafen und Nahrungsaufnahme zwischen 5 und 23 Uhr. Zwillings-Ramadan. Weil, bis die Hexlein alle verköstigt sind, ist das Essen eiskalt und zudem ist Mama entweder der Appetit vergangen oder aber, es steht schon wieder was Neues auf dem Programm. Dank regelmässigen Raclette-Exzessen spätabends bin ich noch nicht verschwunden.

 

Zwillinge sind zum Verwechseln da

Ich gebe gerne zu, schaue ich mir die Bilder der ersten Monate an, weiss ich selten - ausser das Armband ist klar zu erkennen - wer den Twinhexlein A oder wer Twinhexlein B ist. Bin ich mir dann ziemlich sicher, fällt mir irgendein Detail auf, welches ich vorher übersehen habe. Mittlerweile aber kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie ich sie verwechseln könnte. Es passiert mir so selten, wie ich eine der Twins mit dem Namen der Grossen anspreche (eigentlich müsste man Kinder alle gleich taufen, meistens betrifft es ja eh alle oder die Namen in einem neuen kombinieren, so dass man nur einen rufen müsste). Die meisten Menschen jedoch sind sehr enttäuscht, dass ich meine Hexlein nicht dauernd verwechsle. Offenbar sind Zwillinge zum Verwechseln da und verwechselt man sie nicht dauernd, dann sind es eigentlich keine richtigen Zwillinge. Und weil das so klar ist, machen sich - behaupte ich - die meisten Menschen auch gar nicht die Mühe, Zwillinge auseinander zu halten. 

 

Nimm jede Hilfe an, die man Dir anbietet!

Einer der häufigsten Ratschläge - anderer Zwillingsmamas - bevor das Doppel Baby bei uns einzog. Ich, eigenständig, stolz und Perfektionistin war der Meinung, dass ich das auch alleine schaffe. Ich habe schneller als mir lieb ist gelernt, dass ich da einer weiteren Selbsttäuschung aufgestiegen war. Also habe ich, bis ins Elend erschöpft und am Ende meinen Reststolz bei Seite gestellt und nach Hilfe gesucht. Um erfahren zu müssen, dass Zwillingsmama schlussendlich trotzdem alleine dasteht. Unsere Gesellschaft - und das lernte ich bereits beim grossen Schrei-Hexlein - hält wenig bis gar nichts bereit, um "Mütter am Ende" sinnvoll zu unterstützen. Ausser, man hat eine grosse arbeitslose und gelangweilte Verwandtschaft oder aber ein fettes Sparkonto. Dafür entdeckt man seine eigene Superpower und so warte ich nach drei Jahren noch immer auf den wohlverdienten Nervenzusammenbruch.

 

Fazit

Als Zwillingsmama findest Du Dich ganz plötzlich in einer komplett neuen Welt wieder. Du siehst alles doppelt, erträgst alles doppelt und alles konzentriert sich nur noch auf dieses Doppel. Und auch wenn ich unglaublich stolz bin auf mein Solo plus Duett... Ich habe diese ersten drei Jahre auch dafür gebraucht, mich irgendwie an dieses neue Leben zu gewöhnen. Weil, so anpassungsfähig der Körper vielleicht ist, meine Psyche hinkte da gewaltig hinterher. Nun ja, wie sollte man auch anders können, mitten im Gefühl des Elends, als sich nach alten und guten Zeiten zu sehnen. Und dann, mitten drin kommen diese kleine Momente der Rührung und des absoluten Glücks... Wenn da zwei kleine Hexlein liegen, schlafend, träumend und sich an den kleinen Händchen haltend. Oder Du ihnen heimlich beim Spielen zuschaust und nebst all den Streitereien diese unglaubliche Verbindung erkennen kannst, die wohl nur Zwillinge haben. Oder das grosse Hexlein voller Fürsorge der kleinen Schwester ihre grosse Palette an Lieblingsplüschtieren anbietet, um den kleinen Trotzkopf davon zu überzeugen, sich etwas kooperativer zu verhalten. Oder... Erstens kommt es anders und zweitens vielleicht doppelt. Und das ist gut so!

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Dienstag, 28 November 2017 07:31)

    wunderbar witzig geschrieben..ein Lesevergnügen..