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Muttertag - Schmieren wir Mama Honig um den Mund

(entdeckt auf Pinterest)
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Zugegeben... Es war schon schön. Als ich am Sonntag um halb acht erwacht bin - ja, ich habe tatsächlich so lange geschlafen - hatte der Liebste schon den Geschirrspüler ausgeräumt, die Frischbackgipfeli waren bereit, mein Kaffee ebenfalls und die Hexlein präsentierten mir strahlend ihre Muttertags-Geschenklein. Dass ich die Geschenke der Twin-Hexlein nun doch erhalten habe, freute mich doppelt (nein, nicht weil ich zwei bekommen habe). Erklärten sie mir doch, als sie freudestrahlend aus der Spielgruppe traten, das gebastelte Muttertagsgeschenk in der Hand...: Eines sei für den Papa und das andere für die grosse Schwester. Ich musste sehr lachen, auch wenn ich doch ein bisschen beleidigt war, dass ich leer ausgehen sollte, obwohl doch eigentlich der Muttertag der Tag für die Mama wäre... Auf jeden Fall haben sie es sich ja nun doch noch in die richtige Richtung anders überlegt und mir ihre mit viel Hingabe selbstgebastelten Geschenklein auf den Frühstückstisch gelegt. (Um sie mir dann ein paar Minuten später wieder streitig zu machen, übrigens.) Aber eben, es war doch schon sehr schön und rührend und ich fühlte mich wirklich irgendwie geschmeichelt und geehrt.

 

Danach habe ich dann die Küche aufgeräumt, den Zopf für den Brunch gebacken, wieder die Küche aufgeräumt, Altkarton entsorgt, die Waschmaschine geleert und wieder gefüllt, Spielzeug weg geräumt, Tränen getröstet, Streitereien geschlichtet, wieder Spielzeug weg geräumt, wieder Streitereien geschlichtet und etwa tausend mal erwähnt, dass man mir beim Aufräumen eigentlich helfen könnte, da ich das Chaos ja nicht gemacht hätte und... Also eigentlich wie immer. Zum Glück war der Nachmittag dem Gewächshaus gewidmet und der Papa musste die Regie im Schloss übernehmen. Das hat sich dann so richtig wie Muttertag oder einfach nur Petratag angefühlt. Ich und mein Projekt und sonst nichts.

 

So wenig zumindest die Twinhexlein also offenbar den Sinn des Muttertages verstanden haben, so sehr verstehen sie, dass nun nicht mehr Muttertag ist und das komische Getue um die Mama - es ist doch nicht Weihnachen und Geburtstag hatte Mama schon, warum um Himmels Willen soll die jetzt Geschenke kriegen - endlich ein Ende hat und man sich nun wieder ganz wie immer, als ziemlich ungezogen, frech und bequem verhalten kann. Weil jetzt kann die Mama ja nicht mehr sagen, heute ist doch Muttertag. Hahaha!!!

 

Also, abgesehen davon, dass der Muttertag der Blumenindustrie viel Geld liefert und Spielgruppenleiterinnen und Kindergärtnerinnen dazu zwingt ihrerseits die bastelmüden Kinderlein zu zwingen sich für einmal besonders viel Mühe beim Basteln der wundervollen Überraschung für die Mama zu geben, erteilt der Muttertag unseren lieben Kinderlein die Absolution die restlichen 364 Tage im Jahr die Sau raus zu lassen. "Sei mal lieb und dankbar zu Mama, Kind, weil heute ist Muttertag!" Äh... Heute ist kein Muttertag mehr... Also keinen Grund mehr die Mama nicht schon morgens anzubrüllen. Und auch wenn das Kleinkind sonst beim Erfassen von Zeitbegriffen noch nicht so bewandt ist ("Mama, isch es jetzt mooorn?" - werde ich eigentlich täglich beim Aufstehen gefragt...), dass Muttertag bloss einmal im Jahr ist, das begreifen sie im Nu.

 

Und den Vatertag gibt es wahrscheinlich darum bei uns in der Schweiz nicht so wirklich offiziell, damit die Freiheiten der Väter - Dinge wie Ausschlafen, Kaffee ans Bett und so weiter - nicht einfach auf einen Tag reduziert werden können. Liebster, Du hast zwar dieses Wochenende ausgeschlafen, aber Du darfst natürlich auch am nächsten, weil Du Armer hast ja keinen Vatertag, gell. Da war mir die Handhabe der Kindertagesstätte eigentlich noch sympathisch - die Kinderlein bastelten auf den Muttertag jeweils ein "Elterntaggeschenklein" und ehrten so auch den Papa einfach an diesem einen Tag. Und die Idee der Twinhexlein ist unter diesem Gesichtspunkt eigentlich auch nicht so schlecht, das Muttertagsgeschenklein dem Papa und der grossen Schwester zu geben. Sollen die doch das Geschenk bekommen - ich würde dann einfach die restlichen 364 Tage auf etwas Rücksicht pochen. Schliesslich habe ich als Einzige am Sonntag, also am MUTTERtag nichts bekommen. Jawohl!

 

Wobei... Wer meine Schilderungen vom restlichen Verlauf des Muttertages noch im Kopf hat, der hat bereits realisiert, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt, ob nun Muttertag oder Montag oder ein ganz gewöhnlicher Tag ist. Chaos machen sie trotzdem, Streiten tuen sie auch, essen wollen sie ebenfalls und die Wäsche mochte irgendwie auch nicht so recht bis am Montag warten...  In dem Sinne: Ich werde den Kaffee am Bett auf nächstes Jahr geniessen, mich auf die liebevoll gebastelten Geschenklein stürzen und mich wenigstens in diesen paar Minuten an diesem einen Tag fühlen wie die verehrte Königin. Und meinen Hexlein weiterhin die Absolution erteilen 364 Tage im Jahr die Sau raus zu lassen. Es fühlt sich irgendwie nämlich besser an, wenn ich das Gefühl habe, dass sie auf mich hören. Und siehst Du, es hat funktioniert, dieses "der Mama Honig um den Mund schmieren"... Voll drauf reingefallen, Mama!

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