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Auf die Häschen (oder sonst irgendeinen Krempel) los...

Liebe M. und lieber C.

 

Ich mag Euch, beide. Einst war ich ein absolutes C.-Kind. M. gab es nicht bei uns und ich wuchs mit C. auf. Bin ich immer noch, ein C.-Kind. Einmal C., immer C. Aber mittlerweile habe ich auch Dich, liebe M. sehr schätzen gelernt. Du liegst gerade auf dem Weg, bietest mir einiges, was ich bei C. nicht finde und nun ja, Deine Mitarbeiterinnen kennen und tolerieren meine drei durch Dich tobenden Hexlein. Auch wenn ich den Dreien immer wieder zu erklären versuche, dass die liebe M. kein Spielplatz ist... Aber Moment, heute geht es hier nicht um Erziehung. Liebe M., Du hast sogar einen Zwillingseinkaufswagen angeschafft, als ich freundlich danach fragte. So lieb. Das hat mir Besuche bei Dir wirklich sehr erleichtert.

Wie gesagt, ich mag Euch und ich schätze Euch. Zu Euren Ehren meide ich die aus dem nahen Ausland immigrierten L. oder A. Ich finde, ihr seid super, da brauche ich L. oder A. nicht. Und eben, einmal C.-Kind, immer C.-Kind.

 

Aber jetzt habe ich genug. Wirklich. Ich muss nun dringend ein Hühnchen mit Euch rupfen. Ihr bringt Aufregung, Enttäuschung und Stress in meinen Familienfrieden. Regelmässig stellt ihr nämlich irgendwelche tollen Dinge auf. Zuckersüsse Osterhäschen, pinke Badetücher mit Einhörnern drauf, kleine Geschichten erzählende Wichtel... Und zwar so, dass ich trotz Zwillingskinderwagen und verschiedensten Ablenkungsversuchen einfach nicht darum herum komme, mit meinen Hexlein. Sie wollen die dann auch haben, diese schönen Sachen... Und nein, sie bekommen nicht immer alles was sie möchten. Aber wenn diese wundervollen Verlockungen bei jedem Einkauf betrachtet werden müssen und die Freundin im Kindergarten schon die ganze Hasenfamilie ihr eigen nennen kann, dann ist es schwer...

 

Ich sammle dann also diese elendigen Kleber. Animiere die Verwandtschaft doch bitte für mich mitzusammeln. Kaufe extra schon im Dezember meinen Jahresvorrat an Konfitürengläser, damit ich möglichst schnell möglichst viel von diesen Klebern erhalte. Weil... Ich habe halt drei Hexlein, alle möchten sie dieses süsse kleine Schäfchen, welche gottfriedstutznomol auch noch leuchten muss im Dunkeln. Dass ihr es auch immer übertreiben müsst, heinomol! Und, liebe M. und lieber C. vielleicht könnt ihr Euch das unglaubliche Drama vorstellen, welches bei mir zu Hause herrschen würde, käme ich mit einem dieser süssen Häschen nach Hause... Also kaufe ich ein wie verrückt und renne in Facebook-Gruppen und in der Verwandtschaft diesen Klebern nach. Es ist ein elendiger Stress, ganz ehrlich.

 

Und dann, dann habe ich es endlich geschafft und drei Karten sowie meinen Vorratsschrank bis zum Bersten gefüllt. Wir könnten nun zwei Atomkriege problemlos ohne zu Verhungern überstehen. Rasch packe ich die beklebten Karten ein und marschiere mit den Hexlein los, Dir liebe M. oder Dir lieber C. einen Besuch abzustatten und endlich das langersehnte Schaf oder Häschen oder Badetuch oder was der Teufel auch immer abzuholen. 

 

Aber eben... Weit gefehlt!!! Da ist nichts mehr!!! Vielleicht gibt es noch den blauen Hasen, aber garantiert nicht mehr das süsse Schäfchen. Was ein dreieinhalbjähriges Kind mit einem wasserdichten Sack soll, keine Ahnung. Vielleicht könnte ich das Gebrüll nach dem Schaf darin ersticken... Mit Glück könnten wir den noch ergattern, den "Erstick-Kind-Sack", ein Badetuch oder wenigstens einen Ball oder allerwenigstens ein aufblasbares Kissen... Alles schon weg. Und ich habe nun den Salat. Erst denn Stress und nun das Drama. Tränen, Enttäuschung, Mama-ist-an-allem-Schuld-Stimmung und jeden Tag nach dem Kindergarten ein Gejammer... Ich weiss, ich müsste sie halt nur besser erziehen, diese meine Hexlein, aber eben, um Erziehung geht es hier nicht!

 

Ihr versteht das, versprecht mir, dass ich die Karte einschicken darf und dann das gewünschte noch bekomme. Weil es Euch ja so leid tut, ihr habt leider (wieder, schon wieder, himmelnochmal!!!) verschätzt. Dachtet nicht, dass es diese leuchtenden Dinger bei den Kindern so beliebt wären und offenbar ward ihr naiv genug zu glauben, dass es genügend Eltern gibt, die in der Erziehung nicht versagen und ihren Kindern ohne nachfolgendes Dauerdrama erklären können, warum dieses Schaf nun nicht einzieht. Mache ich, also diese Karten einschicken, die mit einem steigenden Risiko für einen Herzinfarkt beklebten Karten. Dann warte ich. Und warte. Und warte. Und warte... (Das Drama ist übrigens während dessen ständiger Begleiter...) Dann irgendwann - das Drama wurde durch das nächste Drama abgelöst, weil Du liebe M. und Du lieber C. Euch ja andauernd mit diesen verd... Aktionen überbieten müsst - kommt das langersehnte Päckli. Und wie ein Vulkan explodiert daraus die nächste Katastrophe. Weil obwohl brav drei Kärtchen eingeschickt - alle übrigens voll mit Kleberlein - erhalten wir genau eines dieser verfluchten Häschen. Eines für drei Kinder!!! Der Vorschlag, ein Kind dürfte die Ohren, eines den Kopf und eines den Bauch... Nun, er wurde brüllend abgelehnt. 

 

Das Ende der Geschichte: Du liebe M. und Du lieber C. habt es wieder einmal geschafft hunderte Eltern zu Euch zu locken und sie dazu zu verführen möglichst viele Vorräte anzuschaffen und Dinge zu kaufen, die sie eventuell irgendwann gebrauchen könnten... Um sie schlussendlich wieder begrüssen zu dürfen, mit enttäuschten Kindern, welchen die dramamüden Eltern zur Wiederherstellung des Familienfriedens irgendeine Alternative kaufen. Plan aufgegangen! Hunderte Familien in Unruhe gestürzt, hunderte Kinder enttäuscht, hunderte Eltern gestresst... Bravo, Gratulation! Ich glaube, ich muss mich dringend informieren, ob L. oder A. solche Kleber auch verteilen... Oder Selbstversorgerin werden. Oder mit meinen Kindern in den Wald ziehen... Oder ihnen Augenbinden anziehen beim Einkaufen. Und im Kindergarten... Verdammt, liebe M., lieber C. ihr seid einfach zu clever...

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