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Wenn aus dem Zweiten plötzlich Zwei werden... (I)

Bald ist es fünf Jahre her seit ich dieses Bild in die Hand bekam. Das erste Bild der Twinhexlein. Winzig klein und ganz am Anfang ihrer und unserer gemeinsamen Geschichte. Zeit zurück zu blicken auf diesen einen Moment, als der Liebste und ich völlig überraschen erfuhren, dass wir Zwillingseltern werden sollten...

 

Wer mich kennt oder mich schon länger liest, der hat bestimmt schon mitbekommen, dass Hexlein gross alles andere als ein Anfängerbaby war. Sie kam auf diese Welt mit weit geöffneten Augen und schloss sie eigentlich nicht mehr. Ausser beim Schreien und das tat sie oft und ausdauernd. Trotzdem - zwischenzeitliche schlafmangelbedingte Aussetzer unbeachtet - war uns immer klar, dass sie kein Einzelkind bleiben sollte. Kaum dazu entschlossen, es zu nun zu wagen - Hexlein gross war damals 18 Monate alt - war ich auch bereits schwanger. Wir freuten uns sehr und ich wünschte mir einfach nur ein pflegeleichtes Baby zum Geniessen. Nach den anstrengenden ersten Monaten mit Hexlein gross und mit all den Erfahrungen und der neuen Gelassenheit dachte ich, auf alles vorbereitet zu sein. Dieses Mal würde ich mich nicht grämen, dass das Baby nicht in den wunderschönen Kinderwagen liegen möchte - ich würde es von Beginn an ins Tragetuch nehmen. Dieses Mal wäre ich darauf vorbereitet, dass das Baby vielleicht keinen Brei mag und lieber gleich vom Tisch mitessen möchte. Dieses Mal würde ich nicht mehr hundert Schnuller durchprobieren, sondern einfach akzeptieren, dass es keinen mag... Ich war entspannt, voller Vorfreude und bereit. Dachte ich...

 

Der erste Termin bei unserem (wie der Liebste grinsend sagt) Frauenarzt verlief eigentlich wundervoll. Alles war, wie es sollte und ich fühlte mich wunderbar. Einzig, so teilte uns der Gynäkologe mit, das Bäuchlein sei noch nicht ganz geschlossen. Das könne in manchen Fällen etwas länger dauern, sollte sich aber in etwa zwei Wochen erledigt haben, warum er uns dann gerne nochmals sehen würde. Natürlich beschäftigte uns diese Information, allerdings versuchte ich mit Vertrauen in dieses winzige Leben an die Situation heran zu gehen und nahm mir vor, mich erst dann mit diesem Problem auseinander zu setzen, wenn es tatsächlich eines sein sollte. Mit einem kleinen Wirbelwind, die gerade erst entdeckt hatte, dass sie auf zwei Beinen bedeutend schneller durch die Welt kommt als auf dem Po rutschend, blieb im Alltag ohnehin wenig Zeit sich Gedanken zu machen.

 

Trotzdem fuhren wir zwei Wochen später mit gemischten Gefühlen zum Frauenarzt. Und dann lag ich da und mein ansonsten sehr schneller und pragmatischer Frauenarzt schallte eine gefühlte Ewigkeit. Ich wurde immer nervöser und war absolut überzeugt, dass irgendetwas mit unserem Baby nicht stimmt. Als mir bereits zum Heulen zumute war, zeigte der Gynäkologe auf den Monitor und fragte den Liebsten: "Herr E., was sehen Sie da?" - "Einen Torso?" antwortete er. "Und was sehen Sie hier?" fragte der Frauenarzt erneut und zeigte auf eine anderen winzigen Schatten. Ich erkannte gar nichts - ich bin fürchterlich schlecht im Lesen von Ultraschallbildern. Der Liebste etwas zögerlicher und wahrscheinlich bereits mit einer Vorahnung antwortete hoffnungsvoll: "Der Kopf?". Der Gynäkologe schüttelte den Kopf und murmelte: "Es haben tatsächlich beide überlebt..." - Stille... Nervöses Gelächter... "Beide...?" fragten wir aus einem Mund ungläubig auf das Bild am Monitor starrend. Selbst ich sah nun, dass es eindeutig zwei Winzlinge waren, die da zu sehen waren.

 

Und unser Frauenarzt erklärt kurz und knapp, dass es Zwillinge seien. Eineiig und definitiv mono-mono. Er habe es bereits  beim letzten Untersuch gesehen, habe aber nicht damit gerechnet, dass beide es schaffen würden und uns darum noch nichts sagen wollen. Nun sei die Chance aber gross, dass sie sich weiterhin beide gut entwickeln. Allerdings würde er die weitere Begleitung der Schwangerschaft aufgrund der Besonderheit ans Unispital abgeben. - Der grösste Teil dieses Gespräches musste ich im Nachhinein rekonstruieren. Ich war wie erschlagen! Vor nicht einmal einer Stunde hatte ich die Praxis mit der Sorge betreten mit meinem Baby könnte etwas nicht in Ordnung sein. Und nun, nun waren es plötzlich zwei. Mehr bekam ich gar nicht mit und konnte ich auch nicht mehr speichern. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, ob nun Freude oder Panik angebrachter wäre... 

 

Danach verschwand der Liebste ziemlich eilig zur Arbeit und ich überfiel zu Hause erst einmal völlig hysterisch meine Schwiegermama mit den Neuigkeiten. Und starrte gefühlt den Rest des Tages auf das Ultraschallbildchen, las immer wieder meinen Namen am oberen Rand, um mich zu versichern, dass das tatsächlich alles passiert war. Noch längst war die Neuigkeit nicht wirklich angekommen, ich weit davon entfernt tatsächlich an mich heran zu lassen, dass diese beiden Winzlinge auf dem Bild in meinem Bauch waren und ich im Begriff Zwillingsmama zu werden. Trotz der ganzen Aufregung und des unglaublichen Gefühlsdurcheinanders erinnerte ich mich irgendwann an den Begriff "mono-mono". Ich googelte den Begriff und bereits beim Eingeben ins Suchfeld bereute ich meine Neugier. Etwas vom Ersten, was mir da berichtet wurde war, dass die Überlebenschance bei dieser Spezialform von Zwillingen bei etwa 50 Prozent liege...

 

Ich brauchte lange bis ich diese beiden Neuigkeiten verarbeitet und integriert hatte. Bis ich tatsächlich damit rechnete und mich sogar darauf freute, zwei Babies auf die Welt bringen zu dürfen. 

 

Zu den Besonderheiten von "Mono-mono-Zwillingen" habe ich bereits einen Text geschrieben und hier für Dich verlinkt.

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