Warum schreibe ich diesen Blog?

Seit ich mich erinnern kann, wünschte ich mir Kinder, eine Familie. Kurz vor meinem dreissigsten Geburtstag klappte es nach einigen Rückwärtssalti endlich mit dem passenden und dazu nötigen Liebsten und schneller als gedacht auch mit dem ersten Baby. Am 27. Juni 2012 wurde Hexlein gross geboren und ich startete voller Elan und Tatendrang in meine Mama-Karriere. Nach ein paar Startschwierigkeiten - besagtes erstes Baby war eigentlich nicht für Anfänger gedacht und stellte unser Leben gehörig auf den Kopf - wurden wir mutig, rückblickend könnten böse Zungen behaupten übermütig und wagten Projekt Baby Nummer zwei. Nichts ahnend, dass Nummer zwei gleich im Doppelpack daher kommt und damit gleich auch den Grund für unsere erste grosse Herausforderung lieferte. Hexlein gross war eine wichtige und hervorragende Vorbereitung auf zwei Babies gleichzeitig. Am 10. November 2014 wurden also Zwillingseltern oder ganz einfach, die Twinhexlein geboren. Mittlerweile auch Ehefrau - mit drei Kindern erschien uns das Ganze mit Trauschein irgendwie einfacher - sass ich nun also in unserem neuen Daheim (für drei Kinder war so manches und eben auch die Wohnung zu klein geworden) - Schloss Kunterbunt - in Mitten von rosa-pinken Kleidchen, vollen Windeln und der Aussicht, da ich die kommenden Jahre zu verbleiben.

 

Nur, ein Leben bloß zwischen Kindern und Haushalt war so gar nicht das, was ich mir für meine Zukunft einst ausgemalt hatte. Dazu fühlte ich mich zu emanzipiert, zu frei, zu unabhängig und zu durstig in Kopf und Geist. Die neue Rolle erfüllte mich natürlich - zumindest füllte sie bestimmte Bereiche meines Ichs. Der Rest lag brach, begraben zwischen Dreckwäsche und Spielzeug und ertränkt im andauernden Schlafmangel. Ich wurde immer frustrierter, trauriger, gelangweilter - bis zu dem Punkt, an dem ich deutlich spürte: Jetzt gibt es noch genau zwei Optionen. Entweder, Du gibst hier auf und lässt Dich mit dem mittlerweile obligaten und durchaus salonfähigen Mütter-Burnout irgendwo fernab von Kindern und Haushalt einweisen oder aber, Du kneifst noch einem Deine Popobacken zusammen, lässt Dir kräftig in diesen ausnahmsweise straffen A... treten und findest endlich irgendetwas, dass nur Du und Du alleine bist! Das Projekt Familie und Kinder ist nicht etwas, was man nach einer Versuchsphase einfach wieder abbricht und dahin zurück, wo Du hergekommen bist, das gibt es nicht mehr. Entweder also, Du sitzt trauernd über längst Vergangenes selbstmitleidig da oder Du er(findest) Dich wieder (neu).

 

Kleiner (aber wichtiger) Lebensphasen-Wechsel oder Einschub: Zur Schule ging ich eigentlich nur, weil ich später einmal 1. so werden wollte wie Beni Turnheer, 2. Journalistin werden und 3. dazu erstmal Germanistik studieren. Nachdem daraus aus verschiedenen Gründen nichts wurde, wurde ich Sozialarbeiterin. Das war rückblickend eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Das Schreiben aber liess mich nie los...

 

Diese beiden Dinge kombiniert lag es irgendwie auf der mit Babyrotz verschmierten Hand: Ich fange an zu bloggen. Denn für Memoiren fühlte ich mich noch zu jung und vor allem zu wenig berühmt und für ein Buch bin ich zu ungeduldig. Ein Blog passt besser zu meinem Wesen und meinem Leben. Bloss, worüber soll ich schreiben...? Der erste Schritt kostete mich grosse Überwindung - in den ersten Babyjahren meiner Hexlein hatte ich doch zünftig an Selbstbewusstsein eingebüsst. Ich kann Vieles, aber nichts wirklich herausragend. Ich mache Vieles, aber nichts wirklich ausdauernd und mit besonderem Talent. Ich versuche Vieles, aber an nichts bleibe ich wirklich lange hängen... Ausser... Am Mama- und Hausfrausein.

Et voilà: Eins, zwei, drei Kinder und zack war ich Hausfrau. Und unglaublich viel mehr! Und genau darüber wollte ich schreiben. Mir und der Welt (ok, dieses Ziel war ein bisschen hoch gefasst) beweisen, dass hinter Mama und Hausfrau noch so viel mehr steckt und ich noch immer so viel mehr bin und sein kann.

 

Und chaotisch, turbulent, spontan, bunt und definitiv nicht nur lustig und sonnig wie das Leben mit drei Kindern eben ist, entwickelte sich auch mein Blog. Mit Schlossgarten Kunterbunt entdeckte ich eine weitere - vielleicht vererbte Leidenschaft - und dank grünem Daumen und reicher Ernte gleich noch eine. Die Küche von Schloss Kunterbunt wurde zur Produktionsstätte für viele feine Sachen, welche von meinem Garten durch die Küche ins Lädeli hüpften, welches in diesem Jahr meine (neue) grosse Herausforderung sein wird. Das Lädeli ist nämlich nun endlich ganz offiziell und ganz legal und ich freue mich riesig!

 

Hab Visionen, hab Träume, hab Ziele... Aber bleib dabei immer bei Dir, beweglich und ein bisschen crazy! Und wage es ganz einfach zu zeigen, was in Dir steckt.


"Ich habe zuviel Phantasie um eine Hausfrau zu sein."

Marilyn Monroe